Der Sonne entgegen

Wer mich kennt, weiß wie schnell bei mir Kältereiz zu verkrampfter Muskulatur führen kann. Das bedeutet Rückenschmerzen, die sich im Laufe der Jahre immer resistenter gegen die Mittelchen der Schulmedizin zeigen und die bereits einmal zu einem Bandscheibenvorfall geführt haben. Was mir hilft sind Qigong, Yoga, Dehnungsübungen, Faszienrollen – und warmes, trockenes Klima.

Ich habe also angefangen, zumindest einmal im Jahr in den Süden zu flüchten, war schon in Portugal, Brasilien, Indien und Spanien. Letzterem Land bin ich treu geblieben. Als Pferdesüchtige zieht es mich natürlich am meisten nach Andalusien. Nach einer Reiterrundreise bin ich nun zum zweiten Mal auf der Hacienda Buena Suerte zu Gast und lasse mich weiter in die Spanische Reitweise einweisen, nachdem ich auch mal in die Westernreiterei hineingeschnuppert habe.

Daneben bleibt genug Zeit zum Schreiben, Entspannen am Pool, Ausflüge machen und nette Leute kennenlernen. Meinem Rücken geht es von Mal zu Mal besser und ich muss gestehen, jetzt, einen Tag vor der Heimreise, würde ich meinen Aufenthalt am liebsten verlängern. Doch der Brotjob ruft und um meine Pferde sollte ich mich auch wieder selbst kümmern.

Meine Pferde zusammenpacken und nach Spanien mitnehmen? Nein, das möchte ich ihnen nicht zumuten. Bei meiner alten Dame schließen schon ihre neunundzwanzig Jahre eine Umsiedelung aus, aber auch meiner Warmblutstute mit ihren siebzehn Jahren würde ich die spanischen Verhältnisse nicht antun wollen. Abgesehen von der Hitze (mit der sie noch am ehesten klar kommen würde), müsste sie auch auf Gras verzichten (die Pferde in Spanien ernähren sich von Haferstroh und Luzerne) und würde von einer Unmenge von Insekten heimgesucht

 Besonders Hirschlausfliegen treten hier in einer Menge auf, die jedem mitteleuropäischen Pferd Alpträume verursachen würde. Sorgt in Österreich schon das Auftauchen eines einzigen dieser hartnäckigen Tierchen, die sich gern zwischen zarten Hautfalten an delikaten Stellen festkrallen, für Unruhe, nehmen die spanischen Pferde diese Heimsuchung mit stoischer Gelassenheit hin. Meinem Lehrpferd Rocky habe ich vor der ersten Unterrichtsstunde neun von diesen Viechern aus dem Hinterteil gepflückt und mit den Fingernägeln zerquetscht (anders sind diese Tiere nicht kaputt zu kriegen).

Und selbst wenn meine Pferde nicht wären, so bin ich immer noch zu stark in Österreich verwurzelt, um tatsächlich auszuwandern. Eine alljährliche Auszeit jedoch erscheint mir ausgesprochen attraktiv. Vielleicht ließe sich sogar ein zweiter Termin finden. Auch einer Workation im Süden wäre ich nicht abgeneigt. Wer weiß, vielleicht hat mal jemand Interesse an meinen Kenntnissen bezüglich Sitzschulung oder Qigong oder möchte eine Schreibwerkstatt veranstalten?

Mal sehen, was sich in Zukunft noch ergibt. Alles ist möglich. Vielleicht verbringe ich mit jedem Jahr mehr Wochen in südlichen Gefilden. Und wer weiß, möglicherweise ziehe ich mit zunehmendem Alter Stück für Stück meine Würzelchen aus dem Heimatboden. Ich will es nicht ausschließen, denn wenn ich an die Zukunft denke, höre ich eine Melodie im Hinterkopf. Ein leises, aber beharrliches Summen. Wenn ich ihm lange genug lausche, taucht auch der dazugehörige Liedtext auf … „und irgendwann bleib i dann dort …“

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Wo nimmst du nur deine Ideen her?

Das ist die häufigste Frage, die mir gestellt wird, sobald jemand erfährt, dass ich schreibe. Manchmal wird sie auch mit fassungslosem Erstaunen ausgesprochen nachdem eines meiner Bücher gelesen wurde. Sie ist für mich ebenso schwer zu beantworten, wie für die meisten meiner AutorenkollegInnen. Die häufige Nachfrage hat jedoch dazu geführt, dass ich begonnen habe, mir Gedanken darüber zu machen, wie das entstanden sein könnte, was da so aus meinem Unterbewusstsein hochschwappt.

Laut Eisbergmodell nimmt unser Tagesbewusstsein nur zehn bis zwanzig Prozent ein, der unterbewusste Anteil ist somit deutlich höher und in der Tiefsee meiner Gedanken scheinen eine ganze Menge Monster zu lauern, die nur darauf warten, in Worte gefasst zu werden.

Da ich sehr viel mit Tieren und Menschen und den Beziehungen zwischen ihnen zu tun habe, kann es durchaus sein, dass ich aus diesem Grund so gern Vampirgeschichten schreibe. Mit welchem Mythengeschöpf ließe sich sonst die gegenseitige Abhängigkeit, wie sie zwischen Haustieren und Menschen besteht, besser darstellen? Ein Werwolf kommt ohne Menschen wunderbar klar. Ein Vampir hätte definitiv Probleme.

Faszinieren mich deshalb jene Vampire, die ihren Grundcharakter nach der Verwandlung behalten und genauso unterschiedlich mit Menschen umgehen, wie Menschen mit Tieren? Für geistlose Monster, die nach Blut, Gehirn oder was auch immer lechzen und sonst kaum noch Bedürfnisse kennen, konnte ich mich noch nie begeistern. Dämonen, die sich von menschlichen Emotionen nähren, wären ebenfalls eine Option, aber ein Dämon war immer ein Dämon und gehört somit einer anderen Spezies an, während ein Vampir zuvor ein Mensch gewesen ist. Warum sollte er also nach seiner Wandlung nicht weiterhin gewisse menschliche Eigenschaften aufweisen? Allerdings muss ich zugeben, dass auch von Dämonen eine gewisse Faszination ausgeht und der eine oder andere hat auch schon den Weg in meine Geschichten gefunden.

Warum jedoch ausgerechnet Mythengeschöpfe? Ich habe keine Ahnung. Vermutlich bin ich mit dieser Vorliebe auf die Welt gekommen, genauso wie mit meiner Begeisterung für Pferde. Meinen Großvater habe ich schon als Kleinkind stets zielstrebig zur Reithalle dirigiert, wenn er mich mit dem Kinderwagen ausfuhr, und er musste mir auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit Märchen, Sagen und Gruselgeschichten vorlesen. Auf meine Eltern war ich bitterböse, weil sie mir nicht erlaubt haben, mit vier Jahren ‚Dracula‘ im Fernsehen anzugucken und ich weiß auch nicht, wie viele Zehnjährige bereit wären, sich von ihren Eltern zu trennen und sich alleine einer Führung anzuschließen, um die Gebeine in den Katakomben des Stephansdoms zu bewundern.

Man müsste also sehr, sehr weit zurück gehen, um eine Erklärung zu finden. Vielleicht sogar über meine Geburt hinaus. Vielleicht habe ich von meinem Vater etwas übernommen, der trotz seiner Liebe zur heimischen Bergwelt auch immer wieder mal ausgesprochen bizarre Bilder malt. Eine genetische Prädisposition also? Vielleicht haben aber auch Feen an meinem Gitterbett gestanden und das eine oder andere ausgeplaudert, das mich heute noch beeinflusst. Ich habe keine Ahnung. Doch muss ich gestehen, dass mir das egal ist. Es ist einfach so und es macht unglaublichen Spaß!

Kamikatze

Ende Juli haben meine Katze und ich unser zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass wir einen so langen Weg gemeinsam gehen würden, denn meine Katze ist eine reinrassige Kamikatze. Das heißt sie ist ein Adrenalinjunkie und es geht ihr nicht gut, wenn sie nicht mindestens einmal täglich ihr Leben riskiert.

Mal läuft sie unter einem galoppierenden Pferd durch, dann wieder springt sie vom fahrenden Traktor oder legt sich mit einem Hund an. Ihr Selbstbewusstsein steht in keiner Relation zu ihrer Körpergröße. Sie hat absolut keine Hemmungen, sich vor 600 Kilo Pferd mitten auf den Hufschlag zu setzen und erbost zu fauchen, vollkommen davon überzeugt, dass es ihr gutes Recht ist, allen Platz für sich zu beanspruchen.

Mir ist mehr als einmal das Herz stehen geblieben, wenn ich meine Katze vor meinem geistigen Auge bereits tot gesehen hatte. Zwei Wochen lang hatte sie einen Knickschwanz, weil er unter einen Pferdehuf geraten war. Aber meine Katze hat wohl für jede Farbe neun Leben. Selbst der Schwanz hat sich wieder erholt, ist weder abgefallen, noch geknickt geblieben. Ein gerissenes Kreuzband führt dazu, dass sie nicht mehr so gut springen kann und gelegentlich leicht hinkt. Das hindert sie jedoch nicht daran, ganze Mäusefamilien auszulöschen.

Mehr als einmal habe ich daran gedacht, sie zu einer Wohnungskatze zu machen, aber ich fürchte, dann würde sie selbstmörderische Tendenzen entwickeln oder aus lauter Frustration meine Wohnung zerstören. Denn sie liebt es, sich genau dort aufzuhalten, wo am meisten los ist. Lärm zieht sie an, statt sie abzuschrecken. Trotz ihres lädierten Knies turnt sie nur zu gerne auf den Stroh- und Heuballen herum und balancierte die Bande in der Reithalle entlang.

Aber zum Glück ist sie mit den Jahren ruhiger geworden. Besonders bei Schlechtwetter oder an kalten Wintertagen begnügt sie sich nun damit, sich im Büro ein Plätzchen zu suchen und es sich gemütlich zu machen. Mal sorgt sie dafür, dass kein Lieferschein verloren geht, indem sie sich auf den Stapel legt, dann wieder bewacht sie den Karton mit den Prospekten, sodass außer mir niemand mehr einen herausnehmen kann. Wenn es so richtig kalt ist, macht sie es sich auf dem Heizkörper gemütlich und beobachtet durch das Fenster das Wetter, damit sie wieder auf Pirsch gehen kann, sobald die Sonne heraus kommt. Und das wird sie hoffentlich noch lange tun.

 

 

 

Der weiße und der schwarze Wolf

Vielleicht kennt sie der eine oder andere schon, die Geschichte vom weißen und vom schwarzen Wolf. Für all diejenigen, die sie nicht kennen, hier die Kurzversion:

Es heißt, dass ein Indianer sie seinem Enkel erzählt hat. Er sagte, dass in jedem von uns ein weißer und ein schwarzer Wolf leben. Der schwarze Wolf steht für Wut, Neid, Kummer, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbstmitleid und Schuld, Groll und Minderwertigkeit, Lügen, falschen Stolz, Überlegenheit und Ego. Der weiße Wolf steht für Freude, Liebe, Hoffnung, Frieden, für Gelassenheit und Ergebenheit, für Freundlichkeit, Wohlwollen, Mitgefühl, Großzügigkeit , Wahrheit, Mitleid und Vertrauen. „Die beiden Wölfe kämpfen gegeneinander, in dir und in jedem anderen Menschen.“ erzählte der Großvater. „Welcher der Wölfe gewinnt den Kampf?“ fragt der Junge. Sein Großvater antwortet: „Derjenige, den du fütterst.“

 

Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Ende nie so recht wohl gefühlt habe. Der Gedanke, dass ich einen hungrigen, zornigen Wolf in mir habe, hat mir nicht so recht behagt. So hat sich diese Geschichte immer wieder in meine Gedanken geschlichen. Auch beim Meditieren hat sie mich verfolgt.

Mit sind die Momente bewusst geworden, in denen meine Wut mir Kraft verliehen hat, Dinge zu tun, zu denen ich sonst nicht in der Lage gewesen wäre. Ohne meine dunkle Seite gäbe es auch keine Horrorgeschichten von mir und meine Paranormal Romance Romane wären ziemlich weichgespült.

Meine dunkle Seite ist ein Teil von mir. Ohne sie wäre ich nicht ich. Abgesehen davon kann sie, und damit auch der schwarze Wolf, nicht sterben. Nicht solange ich lebe. Es gehört zum Menschsein dazu, auch einen dunkle Seite zu haben.

Mir fiel auf, dass mich das Schreiben von Horrorgeschichten beruhigt, aber besonderen ausgleichend auf mein Gemüt wirken die Paranormal Romance Storys. Mit der Zeit begann ich mich zu fragen, woher das kommt. Plötzlich sah ich die beiden Wölfe vor mir. Sie wirkten nach der Schreibsession satt und träge, hatten keine Lust aufeinander loszugehen, ließen sich sogar streicheln und legten mir schließlich die schweren Köpfe in den Schoß.

Während meine geistigen Finger durch das weiße und das schwarze Fell fuhren, wurde mir alles klar. Die Wölfe nähren sich von Aufmerksamkeit. Gerade bei meinen Paranormal Romance Geschichten kann ich schwarzen Wolf genauso füttern wie den weißen. Horrorelemente, Kampf und Action haben in diesem Genre ebenso Platz wie Liebe und Grießschmarrn. Dabei tue ich niemandem weh, sondern hoffe, dass meine Leserinnen genauso viel Spaß beim Lesen haben, wie ich beim Schreiben.

Also füttere ich sie weiter mit meinen Geschichten, den weißen UND den schwarzen Wolf, damit sie gar nicht erst anfangen zu kämpfen.

Schreiben und die fünf Wandlungsphasen

Von meinen Schwierigkeiten, mich aufs Lernen zu konzentrieren, habe ich schon berichtet. Aber irgendwie muss ich es schaffen, meinen Geist längere Zeit von den Pferden und vom Schreiben fernzuhalten, schließlich rückt der Prüfungstermin immer näher und ich habe das Gefühl, zwar einen groben Überblick über den Stoff gewonnen zu haben, bei den Details aber noch nicht ausreichend sattelfest zu sein.

Bücher über Gehirntraining raten zu Eselsbrücken. Und ja, das Hippo auf dem Campus aus Christiane Stengers Buch ‚Lassen Sie ihr Gehirn nicht unbeaufsichtigt!‘ steht mir immer noch deutlich vor Augen, doch ich muss mir nicht den Begriff Hippocampus einprägen, sondern die Einzelheiten zu den fünf Wandlungsphasen und zum energetischen Stoffwechsel.

Ein bisschen was ist im Zusammenhang mit den Vampiren schon hängen geblieben, aber ich kann mich schließlich bei der Prüfung schließlich nicht auf die ‚blutigen‘ Inhalte beschränken. Witzige, einprägsame Bilder wollten mir nicht einfallen. Außerdem merke ich mir Sachen in Zusammenhang mit einer Geschichte sowieso leichter. Also eine Geschichte über die fünf Wandlungsphasen schreiben? Wäre naheliegend. Aber auch hier ließ mich meine Kreativität im Stich.

Also versuchte ich es mit ganz konventionellem Pauken. Die Abfolge hatte ich bereits verinnerlicht, auch die jeweils zugehörigen Organe. Daher ging es jetzt darum, mir zu merken, wie sich die Elemente im Menschen zeigen. Holz steht für den Beginn, ob dies nun die Geburt ist, oder ob man im Verlauf seines Lebens etwas Neues beginnt – sei es ein neuer Job, das Üben von Qigong oder das Schreiben eines Buches. Letzteres passt besonders gut, denn schließlich gehört die Kreativität auch zum Holz, genauso wie das Bilderleben. Wobei mit Bilderleben das Aufsteigen innerer Bilder gemeint ist.

Wenn schon der Beginn der fünf Wandlungsphasen so perfekt zum Schreiben passt, warum nicht nach weiteren Verbindungen suchen?

Wenn also das Holz für das Schreiben der Rohfassung, für die Explosion schriftstellerischer Kreativität steht, dann könnte man das Feuer wohl dem Lektorat zuordnen. Schließlich ist der zentrale Aspekt im Feuer: ‚vom ich zum wir‘. Man arbeitet mit jemandem zusammen, um den Text zu verbessern, verfällt gelegentlich in Hektik oder Stress (zu viel Yang im Feuer) wenn Abgabetermine einzuhalten sind, Buchmessen näher rücken.

Die Erde wiederum steht für Vertrauen. Auch beim Schreiben heißt es vertrauen, wenn die Endfassung an den Verlag abgeschickt ist. Vertrauen darauf, dass man sein Bestes getan hat und dass der Verlag aus dem Manuskript ein wunderbares Buch machen wird. Grübeln und Sorgen (zu viel Yang in der Erde) bringt nichts, auch wenn wohl kein Autor dagegen gefeit ist und auch nicht gegen die daraus resultierenden Selbstzweifel.

Das Element Metall steht für Kommunikation. Beim Schreiben ist das der Moment der Veröffentlichung und die Monate danach. Schließlich muss für das geistige Baby Werbung gemacht werden, ob das nun via Socialmedia ist, durch Lesungen, Blogtouren oder Leserunden. Metall sucht den Austausch und steht für den bewussten Einsatz von Atem, Stimme und Sprache. Was würde perfekter auf eine Lesung passen?

Im Wasser heißt es ‚stirb und werde‘ durch die Auflösung der Ängste. Auch beim Roman weiß man inzwischen, wie er von der Leserschaft angenommen wird. Die meist recht unterschiedlichen Reaktionen sind häufig eine Herausforderung. Hier heißt es keine übersteigerte Empfindsamkeit an den Tag zu legen, sondern die Bereitschaft und den Willen zur Wandlung zu leben. Was man als schmerzliche Kritik empfunden hat, kann vielleicht helfen, den nächsten Roman besser zu machen.

Womit wir wieder beim Holz wären und der Zyklus von neuem beginnt, mit der Geburt, mit dem Frühling, der Morgendämmerung oder eben den ersten Worten eines Romans.

 

Qigong und Vampire

Ich sollte ja eigentlich lernen. Das habe ich mir zumindest vorgenommen. Mit meinem Roman wollte ich erst nach der 2. Zwischenprüfung zum Qigonglehrer weitermachen. Schließlich gibt es auch im Brotjob mehr Arbeit als sonst und natürlich möchte ich mich bei der Prüfung nicht blamieren.

Also brav die Lernunterlagen hervorgeholt und angefangen zu studieren.

Mit dem Holzelement begonnen. Schließlich steht das Holz für den Anfang. Und was bitteschön soll bei Holz schon schiefgehen? Nichts das mich ablenkt und an Vampire erinnert. Oder doch? Aus Holz kann man einen Pflock machen. Sofort ist das entsprechende Bild da. Hastig den Geist wieder auf die rechte Bahn gebracht. Der zum Holz gehörende Organfunktionskreis ist Gallenblase und Leber. Na siehst du! Geht doch!

Ich lese weiter: Die Leber unterstützt die Blutzirkulation und speichert das Blut.

Schon beginne ich nachzudenken: Haben Vampire eigentlich eine Leber? Genaugenommen könnten bei ihnen sämtliche Organe dazu verwendet werden, Blut zu speichern, schließlich nehmen sie keine andere Nahrung mehr zu sich.

Ich reiße mich zusammen. Keine weiteren Gedanken an Vampire! Der fünf Elemente Lehre gehört meine Aufmerksamkeit und nach dem Holz ist das Feuer dran. Zumindest im Entstehungszyklus. Zum Feuer gehören die Organe Herz und Dünndarm. Und das Herz-Qi bewegt das Blut. Was passiert dann bei einem Vampir, dessen Herz stillsteht? Verteilt sich das Blut nach dem Prinzip der Osmose im ganzen Körper? Oder funktioniert der Kreislauf durch Bewegung, ähnlich wie bei einem Hai? Was geschieht, wenn der Vampir still in seinem Sarg oder seiner Gruft liegt?

Schon wieder! Jetzt lerne ich aber wirklich. Zur Sicherheit wechsle ich zur Erde. Die solide, feste Erde erscheint mir weniger gefährlich als das Feuer. Auch wenn es von manchen Vampiren heißt, dass sie nur in Heimaterde schlafen können und deshalb auch auf Reisen stets ein wenig davon mitführen. Die zur Erde gehörenden Organe sind Magen und Milz. Brav lese ich mir die Aufgaben der Milz durch. Und was steht da? Bildung von Blut und Qi aus der Nahrung. Also braucht ein Vampir keine Milz. Er trinkt das Blut, bildet es nicht selbst.

Fix! Jetzt bin ich schon wieder bei den Vampiren. Ich nehme ganz energisch mein Buch wieder zur Hand. Metall ist das nächste Element. Nein, das ist zu gefährlich. Eine klassische Methode einen Vampir unschädlich zu machen, ist, ihm den Kopf abzuschlagen. Dazu ist eine Klinge aus Metall ausgesprochen nützlich.

Also lieber gleich weiter zum Wasser. Auch wenn es in manchen Geschichten heißt, Vampire könnten kein fließendes Wasser überqueren, so habe ich doch noch nie davon gehört, dass ein Vampir ersäuft worden wäre. Wasser ist also ein wesentlich ungefährlicheres Element. Die zu diesem Element gehörenden Organe Niere und Blase machen auch einen gänzlich harmlosen Eindruck. Bis man genauer darüber nachdenkt. Eine richtige Horrorgeschichte geht einem schonmal an die Nieren und ein ordentlicher Schrecken kann durchaus dazu führen, dass sich die Blase plötzlich entleert. Nicht umsonst gehören die Ängste zu den dem Wasserelement zugeordneten Emotionen. Was zu der Frage führt, ob ein Vampir noch pinkeln muss. Macht er sich vielleicht gar in die Hose, wenn er gepfählt wird? In der Vampirliteratur wird auf diese Frage nicht eingegangen. Wenn da von einem angepissten Vampir die Rede ist, ist meist etwas ganz anderes gemeint.

Ich trete mir geistig selbst in den Hintern. Lernen, Bettina, lernen! Also ein weiterer Versuch. Ich nehme mir die Funktionen der Nieren vor. Und was steht da schwarz auf weiß: Die Niere nährt die Leber und trägt zur Blutbildung bei.

Blut! Nichts als Blut! Wie soll ich da nicht an Vampire denken? Mit den fünf Elementen habe ich für heute erstmal abgeschlossen. Das wird nichts mehr. Also zurück zu den Grundlagen, dem Fundament des Qigong. Da kann nun wirklich nichts schiefgehen. Ich blättere im Buch, richte meine Konzentration auf das Gedruckte. Und was lesen da meine müden Äuglein: Das Qi folgt der Aufmerksamkeit und dem Qi folgt das Blut.

Ich gebe auf. Die Hinweise sind zu deutlich. Ich muss an meiner Vampirgeschichte weiterschreiben, kann gar nicht anders, denn aus dem eben Gelesenen ergibt sich klar und deutlich: Wo ich meine Aufmerksamkeit hinlenke fließt Blut.

Und das fließt doch wirklich besser in einer Geschichte als anderswo!

Zeit

20170210_071936Bereits im Alltag wird man mit dem unterschiedlichen Verstreichen von Zeit konfrontiert. Nicht nur, dass schöne Stunden schneller vorübergehen, auch die Tage selbst scheinen eine unterschiedliche Qualität zu haben. Mal ist die Energie zäh wie Sirup und es geht einfach gar nichts voran. Dann wieder bekommt man an einem einzigen Tag so viel geregelt, dass man glaubt, eine ganze Woche sei verstrichen.

Beim Eintauchen in andere (Buch-)welten lernt man nochmal ganz andere Zeitkonzepte kennen. Da wird so manches Paradoxon erzeugt, mit der Zeit auch der Raum manipuliert – schließlich ist die Zeit nichts anderes als die vierte Dimension des Raumes – und recht flott zwischen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit hin und her gesprungen.

Manchmal ist mir auch die Zeit im Nachhinein länger erschienen, als während des Erlebens. Das passiert mir, wenn ich in kurzer Zeit sehr viel Neues gesehen habe. So konnte ich nach meiner Indienreise zum Beispiel gar nicht glauben, dass sie nur zwei Wochen gedauert hat. Abgefüllt mit unglaublich vielen neuen Eindrücken dachte ich, ein ganzer Monat müsse verstrichen sein.

Umgekehrt kann es auch sein, dass manches länger dauert, als geplant. So bin ich zum Beispiel jetzt mit meinem Schreiben und auch bei der Reiterei genau dort, wo ich eigentlich vor fünfzehn Jahren schon sein wollte. Manches ging nicht so wie geplant. Oft genug stand ich mir auch selbst im Weg. Gelegentlich musste ich auch erst das nötige Wissen auf Umwegen erwerben.  Manchmal hat auch der Körper nicht so mitgespielt, wie ich es gerne wollte.

Jetzt heißt es, sich darüber freuen, überhaupt ans Ziel gekommen zu sein und nicht zu jammern, dass es so lange gedauert hat. Schließlich durfte ich auf meinem Weg vieles sehen und erleben, das sonst unbemerkt an mir vorbeigegangen wäre. Und überhaupt ist es nur ein Etappenziel. Unglaublich viele Dinge warten noch darauf, entdeckt, erlernt erforscht zu werden.

Schon stellt sich die nächste Herausforderung. Denn  mein Leben wird mit Sicherheit nicht ausreichen, um alles zu tun, was ich gerne möchte. Jetzt heißt es, gelassen, freudig und mit der Neugierde eines Kindes, alles in mein Leben einzuladen, was sich noch verwirklichen möchte und nicht dem hinterherzutrauern, was sich nicht mehr ausgeht.

Gießkannenprinzip

Mich interessieren unglaublich viele Dinge. Dabei wären die Pferde alleine schon eine Lebensaufgabe und um die in meinem Kopf herumspukenden Ideen  niederzuschreiben, bräuchte ich bei weitem mehr als ein Menschenleben. Dazu  noch das Qigong, meine Begeisterung für die Natur, für alles was grünt, blüht, herumläuft oder -fliegt.

Das führt häufig dazu, dass ich noch mit einem Hauch Eau de Cheval beim Meditationsabend auftauche, mit Sturmfrisur bei einer Lesung erscheine und beim Ausmisten eine Stimme aus meiner Tasche ertönt, wenn ich alter Geschichtenjunkie zu wenig zum Lesen gekommen bin und mir als Ersatzdroge ein Hörbuch reinziehe.

Es ist auch schon vorgekommen, dass mir vorgeworfen wurde, ich sähe bei der Stallarbeit ‚eingeraucht‘ also zugedröhnt aus. Mag durchaus sein, aber der ‚Stoff‘  ist in meinem Fall immaterieller Natur und die Bilder in meinem Kopf nicht die Folge sondern die Ursache.

Vielleicht käme ich in einem Gebiet schneller voran, wenn ich meine Energien bündeln würde, statt sie nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. Gleichzeitig würde ich jedoch auch mein Leben ärmer machen, mir selbst Scheuklappen aufsetzen. Außerdem hat man beim Gießkannenprinzip den Vorteil, wenn es beim Reiten hakt (z.B. Pferd oder Meinereiner ist verletzt und reiten daher nicht möglich), dann widme ich eben mehr Zeit dem Schreiben. Weigern sich die Worte, das auszudrücken, was ich möchte, dann gehe ich eine Runde auf den Berg. Die frische Waldluft und die Bewegung machen den Kopf frei und setzte ich mich anschließend wieder an den Computer, fügt sich eine Silbe beinahe von selbst an die andere. Ist das Wetter zu schlecht, um den Bewegungsdrang draußen auszuleben, gibt es wunderbare Qigongübungen, die sich auch in der Wohnung ausführen lassen.

Kurz gesagt, das Gießkannenprinzip hat einen großen Vorteil: „Irgendetwas geht immer!“

 

Wenn Eltern die Texte lesen

Lange Zeit waren meine Eltern meine ersten Testleser, die sich voller Begeisterung mit meinen Texten auseinandergesetzt und Fehler gesucht haben. Mit ‚Im Schatten des Wolfmonds‘ habe ich jedoch meinen ersten Schritt Richtung Erotik gewagt und als von den Leserinnen die Rückmeldung kam, dass ich bei den Liebesszenen zu zurückhaltend sei und sie zu wenig ausformuliere, habe ich bei ‚Schattenseite – Austrian Vampire World‘ noch ein Schäufelchen nachgelegt.

Mit diesem Kurzroman ist es mir gelungen, meine Leserinnen zufrieden zu stellen. Enttäuschung jedoch bei meinen Eltern. „Was? Es ist ein Buch von dir erschienen und wir haben es noch gar nicht gelesen?“

Tatsächlich hatte ich es beim Verlag eingereicht, ohne es meinen Eltern zum Vorablesen zu geben. Ich muss gestehen, ich hatte Hemmungen, meine erotischen Fantasien mit ihnen zu teilen. Darauf angesprochen kam ich mir jedoch kleinlich und prüde vor. Also flugs an den Computer, das Manuskript ausgedruckt und auf dem elterlichen Küchentisch abgelegt. Es folgte eine Zeit gespannter Erwartung, bis endlich die erlösende Nachricht kam: „Wir sind mit dem Lesen fertig.“

Meine Mutter, wie häufig das Sprachrohr nach einer gemeinsamen Beratung, sagte: „Es ist schon sehr erotisch.“ Eine kleine Pause folgte. „Aber es hat uns gefallen.“ Erleichterung meinerseits. Verschämtes Grinsen auf Seite meiner Mutter, die hinzufügte: „Ich glaube, du bleibst beim Sex.“

Soweit so gut. Ich war bereits dabei mich aus dem elterlichen Wohnzimmer zu schleichen, wohl ahnend, dass das noch nicht alles war. Meine Mutter hat nicht umsonst viele Jahre lang keine Folge von ‚Columbo‘ versäumt und dabei selbst eine Eigenschaft der Hauptfigur verinnerlicht: Es kommt immer noch etwas nach.

So auch diesmal. Ich war schon fast durch die Tür, hatte den rettenden Flur beinahe erreicht, als mich die mütterliche Stimme noch einmal zurückrief: „Du Bettina, woher weißt du das alles eigentlich alles so genau?“

Ähm ..

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Nebeneffekte

Alles was man tut, hat Nebeneffekte. Casper , mein vierbeiniges Spezialprojekt, hat durch die dressurmäßige Arbeit Selbstbewusstsein gewonnen und der Traktor lässt ihn nicht mehr panisch die Flucht antreten, sodass ich in aller Seelenruhe über seine Ohren hinweg Fotos machen konnte.

Auch das Schreiben hat so seine Nebeneffekte. Bei der Recherche beschäftige ich mich mit Themen, die sonst vollkommen an mir vorbeigehen würden. Die Haltbarkeit von Blutkonserven hätte mir mit Sicherheit keine schlaflosen Nächte bereitet, ich wüsste vermutlich auch nicht was Vektorimpfungen sind und die Spezialitäten der Oberösterreichischen Küche hätten mich wohl kaum interessiert.

Wahrscheinlich hätte ich auch kein Facebookprofil, wäre nicht bei Twitter und auch nicht bei Google+. Ich hätte viele nette Leute nicht kennengelernt und es gäbe keinen inneren Lektor, der aufjault, weil in dem Text zu viele hätte vorkommen.

Ob ich als reine Leserin wohl zu Buchmessen fahren würde? Wahrscheinlich nicht. Ich hätte keine lieben Autorenkollegen und -innen um mich via Socialnetwork auszutauschen, wie schade es ist, dass ich diesmal bei der Leipziger Buchmesse nicht dabei sein kann.

Es gäbe auch diesen Blog nicht. Wahrscheinlich hätte ich gar keinen Blog. An dieser Stelle also ein Hoch auf das Schreiben und all seine Nebeneffekte und ein herzliches Dankeschön an alle, die mir folgen. Bleibt mir treu! Wir lesen uns wieder!