Schreiben und die fünf Wandlungsphasen

Von meinen Schwierigkeiten, mich aufs Lernen zu konzentrieren, habe ich schon berichtet. Aber irgendwie muss ich es schaffen, meinen Geist längere Zeit von den Pferden und vom Schreiben fernzuhalten, schließlich rückt der Prüfungstermin immer näher und ich habe das Gefühl, zwar einen groben Überblick über den Stoff gewonnen zu haben, bei den Details aber noch nicht ausreichend sattelfest zu sein.

Bücher über Gehirntraining raten zu Eselsbrücken. Und ja, das Hippo auf dem Campus aus Christiane Stengers Buch ‚Lassen Sie ihr Gehirn nicht unbeaufsichtigt!‘ steht mir immer noch deutlich vor Augen, doch ich muss mir nicht den Begriff Hippocampus einprägen, sondern die Einzelheiten zu den fünf Wandlungsphasen und zum energetischen Stoffwechsel.

Ein bisschen was ist im Zusammenhang mit den Vampiren schon hängen geblieben, aber ich kann mich schließlich bei der Prüfung schließlich nicht auf die ‚blutigen‘ Inhalte beschränken. Witzige, einprägsame Bilder wollten mir nicht einfallen. Außerdem merke ich mir Sachen in Zusammenhang mit einer Geschichte sowieso leichter. Also eine Geschichte über die fünf Wandlungsphasen schreiben? Wäre naheliegend. Aber auch hier ließ mich meine Kreativität im Stich.

Also versuchte ich es mit ganz konventionellem Pauken. Die Abfolge hatte ich bereits verinnerlicht, auch die jeweils zugehörigen Organe. Daher ging es jetzt darum, mir zu merken, wie sich die Elemente im Menschen zeigen. Holz steht für den Beginn, ob dies nun die Geburt ist, oder ob man im Verlauf seines Lebens etwas Neues beginnt – sei es ein neuer Job, das Üben von Qigong oder das Schreiben eines Buches. Letzteres passt besonders gut, denn schließlich gehört die Kreativität auch zum Holz, genauso wie das Bilderleben. Wobei mit Bilderleben das Aufsteigen innerer Bilder gemeint ist.

Wenn schon der Beginn der fünf Wandlungsphasen so perfekt zum Schreiben passt, warum nicht nach weiteren Verbindungen suchen?

Wenn also das Holz für das Schreiben der Rohfassung, für die Explosion schriftstellerischer Kreativität steht, dann könnte man das Feuer wohl dem Lektorat zuordnen. Schließlich ist der zentrale Aspekt im Feuer: ‚vom ich zum wir‘. Man arbeitet mit jemandem zusammen, um den Text zu verbessern, verfällt gelegentlich in Hektik oder Stress (zu viel Yang im Feuer) wenn Abgabetermine einzuhalten sind, Buchmessen näher rücken.

Die Erde wiederum steht für Vertrauen. Auch beim Schreiben heißt es vertrauen, wenn die Endfassung an den Verlag abgeschickt ist. Vertrauen darauf, dass man sein Bestes getan hat und dass der Verlag aus dem Manuskript ein wunderbares Buch machen wird. Grübeln und Sorgen (zu viel Yang in der Erde) bringt nichts, auch wenn wohl kein Autor dagegen gefeit ist und auch nicht gegen die daraus resultierenden Selbstzweifel.

Das Element Metall steht für Kommunikation. Beim Schreiben ist das der Moment der Veröffentlichung und die Monate danach. Schließlich muss für das geistige Baby Werbung gemacht werden, ob das nun via Socialmedia ist, durch Lesungen, Blogtouren oder Leserunden. Metall sucht den Austausch und steht für den bewussten Einsatz von Atem, Stimme und Sprache. Was würde perfekter auf eine Lesung passen?

Im Wasser heißt es ‚stirb und werde‘ durch die Auflösung der Ängste. Auch beim Roman weiß man inzwischen, wie er von der Leserschaft angenommen wird. Die meist recht unterschiedlichen Reaktionen sind häufig eine Herausforderung. Hier heißt es keine übersteigerte Empfindsamkeit an den Tag zu legen, sondern die Bereitschaft und den Willen zur Wandlung zu leben. Was man als schmerzliche Kritik empfunden hat, kann vielleicht helfen, den nächsten Roman besser zu machen.

Womit wir wieder beim Holz wären und der Zyklus von neuem beginnt, mit der Geburt, mit dem Frühling, der Morgendämmerung oder eben den ersten Worten eines Romans.

 

Qigong und Vampire

Ich sollte ja eigentlich lernen. Das habe ich mir zumindest vorgenommen. Mit meinem Roman wollte ich erst nach der 2. Zwischenprüfung zum Qigonglehrer weitermachen. Schließlich gibt es auch im Brotjob mehr Arbeit als sonst und natürlich möchte ich mich bei der Prüfung nicht blamieren.

Also brav die Lernunterlagen hervorgeholt und angefangen zu studieren.

Mit dem Holzelement begonnen. Schließlich steht das Holz für den Anfang. Und was bitteschön soll bei Holz schon schiefgehen? Nichts das mich ablenkt und an Vampire erinnert. Oder doch? Aus Holz kann man einen Pflock machen. Sofort ist das entsprechende Bild da. Hastig den Geist wieder auf die rechte Bahn gebracht. Der zum Holz gehörende Organfunktionskreis ist Gallenblase und Leber. Na siehst du! Geht doch!

Ich lese weiter: Die Leber unterstützt die Blutzirkulation und speichert das Blut.

Schon beginne ich nachzudenken: Haben Vampire eigentlich eine Leber? Genaugenommen könnten bei ihnen sämtliche Organe dazu verwendet werden, Blut zu speichern, schließlich nehmen sie keine andere Nahrung mehr zu sich.

Ich reiße mich zusammen. Keine weiteren Gedanken an Vampire! Der fünf Elemente Lehre gehört meine Aufmerksamkeit und nach dem Holz ist das Feuer dran. Zumindest im Entstehungszyklus. Zum Feuer gehören die Organe Herz und Dünndarm. Und das Herz-Qi bewegt das Blut. Was passiert dann bei einem Vampir, dessen Herz stillsteht? Verteilt sich das Blut nach dem Prinzip der Osmose im ganzen Körper? Oder funktioniert der Kreislauf durch Bewegung, ähnlich wie bei einem Hai? Was geschieht, wenn der Vampir still in seinem Sarg oder seiner Gruft liegt?

Schon wieder! Jetzt lerne ich aber wirklich. Zur Sicherheit wechsle ich zur Erde. Die solide, feste Erde erscheint mir weniger gefährlich als das Feuer. Auch wenn es von manchen Vampiren heißt, dass sie nur in Heimaterde schlafen können und deshalb auch auf Reisen stets ein wenig davon mitführen. Die zur Erde gehörenden Organe sind Magen und Milz. Brav lese ich mir die Aufgaben der Milz durch. Und was steht da? Bildung von Blut und Qi aus der Nahrung. Also braucht ein Vampir keine Milz. Er trinkt das Blut, bildet es nicht selbst.

Fix! Jetzt bin ich schon wieder bei den Vampiren. Ich nehme ganz energisch mein Buch wieder zur Hand. Metall ist das nächste Element. Nein, das ist zu gefährlich. Eine klassische Methode einen Vampir unschädlich zu machen, ist, ihm den Kopf abzuschlagen. Dazu ist eine Klinge aus Metall ausgesprochen nützlich.

Also lieber gleich weiter zum Wasser. Auch wenn es in manchen Geschichten heißt, Vampire könnten kein fließendes Wasser überqueren, so habe ich doch noch nie davon gehört, dass ein Vampir ersäuft worden wäre. Wasser ist also ein wesentlich ungefährlicheres Element. Die zu diesem Element gehörenden Organe Niere und Blase machen auch einen gänzlich harmlosen Eindruck. Bis man genauer darüber nachdenkt. Eine richtige Horrorgeschichte geht einem schonmal an die Nieren und ein ordentlicher Schrecken kann durchaus dazu führen, dass sich die Blase plötzlich entleert. Nicht umsonst gehören die Ängste zu den dem Wasserelement zugeordneten Emotionen. Was zu der Frage führt, ob ein Vampir noch pinkeln muss. Macht er sich vielleicht gar in die Hose, wenn er gepfählt wird? In der Vampirliteratur wird auf diese Frage nicht eingegangen. Wenn da von einem angepissten Vampir die Rede ist, ist meist etwas ganz anderes gemeint.

Ich trete mir geistig selbst in den Hintern. Lernen, Bettina, lernen! Also ein weiterer Versuch. Ich nehme mir die Funktionen der Nieren vor. Und was steht da schwarz auf weiß: Die Niere nährt die Leber und trägt zur Blutbildung bei.

Blut! Nichts als Blut! Wie soll ich da nicht an Vampire denken? Mit den fünf Elementen habe ich für heute erstmal abgeschlossen. Das wird nichts mehr. Also zurück zu den Grundlagen, dem Fundament des Qigong. Da kann nun wirklich nichts schiefgehen. Ich blättere im Buch, richte meine Konzentration auf das Gedruckte. Und was lesen da meine müden Äuglein: Das Qi folgt der Aufmerksamkeit und dem Qi folgt das Blut.

Ich gebe auf. Die Hinweise sind zu deutlich. Ich muss an meiner Vampirgeschichte weiterschreiben, kann gar nicht anders, denn aus dem eben Gelesenen ergibt sich klar und deutlich: Wo ich meine Aufmerksamkeit hinlenke fließt Blut.

Und das fließt doch wirklich besser in einer Geschichte als anderswo!

Zeit

20170210_071936Bereits im Alltag wird man mit dem unterschiedlichen Verstreichen von Zeit konfrontiert. Nicht nur, dass schöne Stunden schneller vorübergehen, auch die Tage selbst scheinen eine unterschiedliche Qualität zu haben. Mal ist die Energie zäh wie Sirup und es geht einfach gar nichts voran. Dann wieder bekommt man an einem einzigen Tag so viel geregelt, dass man glaubt, eine ganze Woche sei verstrichen.

Beim Eintauchen in andere (Buch-)welten lernt man nochmal ganz andere Zeitkonzepte kennen. Da wird so manches Paradoxon erzeugt, mit der Zeit auch der Raum manipuliert – schließlich ist die Zeit nichts anderes als die vierte Dimension des Raumes – und recht flott zwischen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit hin und her gesprungen.

Manchmal ist mir auch die Zeit im Nachhinein länger erschienen, als während des Erlebens. Das passiert mir, wenn ich in kurzer Zeit sehr viel Neues gesehen habe. So konnte ich nach meiner Indienreise zum Beispiel gar nicht glauben, dass sie nur zwei Wochen gedauert hat. Abgefüllt mit unglaublich vielen neuen Eindrücken dachte ich, ein ganzer Monat müsse verstrichen sein.

Umgekehrt kann es auch sein, dass manches länger dauert, als geplant. So bin ich zum Beispiel jetzt mit meinem Schreiben und auch bei der Reiterei genau dort, wo ich eigentlich vor fünfzehn Jahren schon sein wollte. Manches ging nicht so wie geplant. Oft genug stand ich mir auch selbst im Weg. Gelegentlich musste ich auch erst das nötige Wissen auf Umwegen erwerben.  Manchmal hat auch der Körper nicht so mitgespielt, wie ich es gerne wollte.

Jetzt heißt es, sich darüber freuen, überhaupt ans Ziel gekommen zu sein und nicht zu jammern, dass es so lange gedauert hat. Schließlich durfte ich auf meinem Weg vieles sehen und erleben, das sonst unbemerkt an mir vorbeigegangen wäre. Und überhaupt ist es nur ein Etappenziel. Unglaublich viele Dinge warten noch darauf, entdeckt, erlernt erforscht zu werden.

Schon stellt sich die nächste Herausforderung. Denn  mein Leben wird mit Sicherheit nicht ausreichen, um alles zu tun, was ich gerne möchte. Jetzt heißt es, gelassen, freudig und mit der Neugierde eines Kindes, alles in mein Leben einzuladen, was sich noch verwirklichen möchte und nicht dem hinterherzutrauern, was sich nicht mehr ausgeht.

Gießkannenprinzip

Mich interessieren unglaublich viele Dinge. Dabei wären die Pferde alleine schon eine Lebensaufgabe und um die in meinem Kopf herumspukenden Ideen  niederzuschreiben, bräuchte ich bei weitem mehr als ein Menschenleben. Dazu  noch das Qigong, meine Begeisterung für die Natur, für alles was grünt, blüht, herumläuft oder -fliegt.

Das führt häufig dazu, dass ich noch mit einem Hauch Eau de Cheval beim Meditationsabend auftauche, mit Sturmfrisur bei einer Lesung erscheine und beim Ausmisten eine Stimme aus meiner Tasche ertönt, wenn ich alter Geschichtenjunkie zu wenig zum Lesen gekommen bin und mir als Ersatzdroge ein Hörbuch reinziehe.

Es ist auch schon vorgekommen, dass mir vorgeworfen wurde, ich sähe bei der Stallarbeit ‚eingeraucht‘ also zugedröhnt aus. Mag durchaus sein, aber der ‚Stoff‘  ist in meinem Fall immaterieller Natur und die Bilder in meinem Kopf nicht die Folge sondern die Ursache.

Vielleicht käme ich in einem Gebiet schneller voran, wenn ich meine Energien bündeln würde, statt sie nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. Gleichzeitig würde ich jedoch auch mein Leben ärmer machen, mir selbst Scheuklappen aufsetzen. Außerdem hat man beim Gießkannenprinzip den Vorteil, wenn es beim Reiten hakt (z.B. Pferd oder Meinereiner ist verletzt und reiten daher nicht möglich), dann widme ich eben mehr Zeit dem Schreiben. Weigern sich die Worte, das auszudrücken, was ich möchte, dann gehe ich eine Runde auf den Berg. Die frische Waldluft und die Bewegung machen den Kopf frei und setzte ich mich anschließend wieder an den Computer, fügt sich eine Silbe beinahe von selbst an die andere. Ist das Wetter zu schlecht, um den Bewegungsdrang draußen auszuleben, gibt es wunderbare Qigongübungen, die sich auch in der Wohnung ausführen lassen.

Kurz gesagt, das Gießkannenprinzip hat einen großen Vorteil: „Irgendetwas geht immer!“

 

Wenn Eltern die Texte lesen

Lange Zeit waren meine Eltern meine ersten Testleser, die sich voller Begeisterung mit meinen Texten auseinandergesetzt und Fehler gesucht haben. Mit ‚Im Schatten des Wolfmonds‘ habe ich jedoch meinen ersten Schritt Richtung Erotik gewagt und als von den Leserinnen die Rückmeldung kam, dass ich bei den Liebesszenen zu zurückhaltend sei und sie zu wenig ausformuliere, habe ich bei ‚Schattenseite – Austrian Vampire World‘ noch ein Schäufelchen nachgelegt.

Mit diesem Kurzroman ist es mir gelungen, meine Leserinnen zufrieden zu stellen. Enttäuschung jedoch bei meinen Eltern. „Was? Es ist ein Buch von dir erschienen und wir haben es noch gar nicht gelesen?“

Tatsächlich hatte ich es beim Verlag eingereicht, ohne es meinen Eltern zum Vorablesen zu geben. Ich muss gestehen, ich hatte Hemmungen, meine erotischen Fantasien mit ihnen zu teilen. Darauf angesprochen kam ich mir jedoch kleinlich und prüde vor. Also flugs an den Computer, das Manuskript ausgedruckt und auf dem elterlichen Küchentisch abgelegt. Es folgte eine Zeit gespannter Erwartung, bis endlich die erlösende Nachricht kam: „Wir sind mit dem Lesen fertig.“

Meine Mutter, wie häufig das Sprachrohr nach einer gemeinsamen Beratung, sagte: „Es ist schon sehr erotisch.“ Eine kleine Pause folgte. „Aber es hat uns gefallen.“ Erleichterung meinerseits. Verschämtes Grinsen auf Seite meiner Mutter, die hinzufügte: „Ich glaube, du bleibst beim Sex.“

Soweit so gut. Ich war bereits dabei mich aus dem elterlichen Wohnzimmer zu schleichen, wohl ahnend, dass das noch nicht alles war. Meine Mutter hat nicht umsonst viele Jahre lang keine Folge von ‚Columbo‘ versäumt und dabei selbst eine Eigenschaft der Hauptfigur verinnerlicht: Es kommt immer noch etwas nach.

So auch diesmal. Ich war schon fast durch die Tür, hatte den rettenden Flur beinahe erreicht, als mich die mütterliche Stimme noch einmal zurückrief: „Du Bettina, woher weißt du das alles eigentlich alles so genau?“

Ähm ..

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Nebeneffekte

Alles was man tut, hat Nebeneffekte. Casper , mein vierbeiniges Spezialprojekt, hat durch die dressurmäßige Arbeit Selbstbewusstsein gewonnen und der Traktor lässt ihn nicht mehr panisch die Flucht antreten, sodass ich in aller Seelenruhe über seine Ohren hinweg Fotos machen konnte.

Auch das Schreiben hat so seine Nebeneffekte. Bei der Recherche beschäftige ich mich mit Themen, die sonst vollkommen an mir vorbeigehen würden. Die Haltbarkeit von Blutkonserven hätte mir mit Sicherheit keine schlaflosen Nächte bereitet, ich wüsste vermutlich auch nicht was Vektorimpfungen sind und die Spezialitäten der Oberösterreichischen Küche hätten mich wohl kaum interessiert.

Wahrscheinlich hätte ich auch kein Facebookprofil, wäre nicht bei Twitter und auch nicht bei Google+. Ich hätte viele nette Leute nicht kennengelernt und es gäbe keinen inneren Lektor, der aufjault, weil in dem Text zu viele hätte vorkommen.

Ob ich als reine Leserin wohl zu Buchmessen fahren würde? Wahrscheinlich nicht. Ich hätte keine lieben Autorenkollegen und -innen um mich via Socialnetwork auszutauschen, wie schade es ist, dass ich diesmal bei der Leipziger Buchmesse nicht dabei sein kann.

Es gäbe auch diesen Blog nicht. Wahrscheinlich hätte ich gar keinen Blog. An dieser Stelle also ein Hoch auf das Schreiben und all seine Nebeneffekte und ein herzliches Dankeschön an alle, die mir folgen. Bleibt mir treu! Wir lesen uns wieder!

Warum ausgerechnet Österreich?

Warum ich Österreich als Schauplatz nicht nur für meine All-Age-Serie um Salzburgs Vampire sondern auch für meine neue erotische Vampirserie ‚Austrian Vampire World‘ gewählt habe?

Nun, zum einen ist Österreich meine Heimat. Das erleichtert unter anderem Recherchereisen. Wer wie ich Haustiere hat, kann vielleicht nachvollziehen, dass jede längere Reise reichlich aufwändig zu organisieren ist. Zum anderen habe ich eine Vorliebe für Kontraste. Beim Wort Vampir denken die meisten an ein düsteres, altes Schloss oder an ein eher städtisches Umfeld. Warum sollte jedoch in eine ländlichen Postkartenidylle kein Vampir auftauchen? Beim Bimmeln von Kuhglocken lässt es sich doch erst so richtig herzhaft zubeißen.

 

Außerdem haben Vampire in Österreich Tradition. Nicht nur, dass Transsylvianien eine Zeit lang zu Österreich gehört hat, auch Bram Stokers ‚Dracula‘ sollte ursprünglich in Österreich spielen und Le Fanus ‚Carmilla‘ ist tatsächlich in der Steiermark angesiedelt. Gerard van Swieten, gebürtiger Holländer und Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, diente als Vorbild für den Vampirjäger Van Helsing und in ihrem ‚Vampir-Erlass‘ vom 1. März 1755 folgte Maria Theresia einer Empfehlung van Swietens und verbot die Leichenschändung unter dem Deckmantel der Vampiraustreiberei.

Grund genug also, um Österreich weiterhin mit Vampiren zu bevölkern und damit meinen Leserinnen und Lesern hoffentlich viel Vergnügen zu bereiten.

 

 

Warum ausgerechnet Vampire?

Da sich die Blutsauger hartnäckig in meine Fantasien drängen, habe ich mich gefragt, warum sie mich gar so inspirieren. Was unterscheidet sie von anderen mythischen Gestalten? Ich habe auch schon Geschichten über Gestaltwandler, Dämonen und Magier geschrieben. Doch über keine Figur so viel, wie über den Vampir.

Das war keine bewusste Entscheidung. Wenn man schreibt, hat man meist keine Ahnung, woher die Geschichten kommen. Sie tauchen einfach auf, manifestieren sich im Geist. Also begann ich zu überlegen und stellte fest, dass Vampire sich in einem Abhängigkeitsverhältnis mit Menschen befinden.

Es gibt einen Spruch von Stanislaw Jerzy Lec: ‚Ein Pferd ohne Reiter ist immer ein Pferd. Ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch.‘ Übertragen auf die Vampire könnte man sagen: ‚Ein Mensch ohne Vampir ist immer noch ein Mensch. Ein Vampir ohne Mensch … ist verdammt schlecht dran.‘

Gut, auch moderne Zombies brauchen menschliches Gehirn, aber ich muss gestehen, dass mich geistlose Fressmaschinen nie interessiert haben (die ursprünglichen, durch Voodoo-Zauber geschaffenen Zombies, die es auch heute noch geben soll, schon deutlich mehr). Auch die Sorte von Vampiren, die über ihren Blutdurst alles andere vergisst, kommt bei mir eher schlecht weg. Bei manchen Autoren ist der Vampir zwangsweise zum Töten verurteilt. Bei mir haben sie immer die Wahl. Genauso wie wir Menschen die Wahl haben, wie wir mit unseren Trieben und unseren Mitgeschöpfen umgehen. Auf diese Weise kann ich in meinen Vampirgeschichten Erlebtes, Erlesenes und Gehörtes auf wunderbar verdrehte und überzeichnete Weise in eine spannende Story verpacken. Und ich glaube, genau darin liegt meine Faszination begründet.

Meine Hund

Meine Hund ist eigentlich meine Katze. Aber ich glaube, das muss ich genauer erklären:

Wie ich zu meiner Katze gekommen bin, wisst ihr ja schon aus dem vorherigen Beitrag. Es ist jedoch so, dass nicht nur ich sie, sondern sie auch mich adoptiert hat. Das führte dazu, dass sie sich an meine Fersen heftete, sobald ich im Reitstall auftauchte. Bettina unterrichtet in der Reithalle – Jolie sitzt in der Reithalle, Bettina unterrichtet auf dem Springplatz – Jolie macht es sich zwischen den Hindernissen gemütlich, Bettina holt die Pferde von der Koppel – Jolie muss natürlich mit.

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Das ging so weit, dass ich schon über die Katze geortet wurde. So kam zum Beispiel eine Einstellerin zielstrebig in die Halle (ich befand mich von außen nicht sichtbar in der Ecke) und meinte: „Ich habe gewusst, dass du da bist, ich habe die Jolie gesehen.“

Mein Kollege Vidomir begann schließlich jedes Mal, wenn er mich mit Jolie im Schlepptau sah, grinsend auf die Katze zu deuten: „Deine Hund!“

Und ja, ich muss zugeben, Jolie hat außer ihrer Anhänglichkeit noch einige andere eher hündische Eigenschaften. So lässt sie sich zum Beispiel im Gegensatz zu vielen anderen Katzen mit Begeisterung den Bauch kraulen (zumindest von mir) und sie wedelt mit dem Schwanz. Ehrlich! Sie kennt nicht nur dieses ärgerliche Peitschen des Schwanzes, das allen Katzen zu eigen ist, sondern auch ein freundliches, lockeres Schwingen, das durchaus mit dem Wedeln eines Hundes vergleichbar ist.

Man sieht also ganz deutlich: Meine Katze ist eigentlich meine Hund!foto-0320

 

Meine Katze

 

Es war im Juli 2007, als ein zartes, halb verhungertes, dreifärbiges Kätzchen bei uns im Reitstall auftauchte. Die Tierärztin schätzte es auf ein knappes halbes Jahr. Ich fühlte mich an meine verstorbene Katze, die zwar langhaarig, aber ebenfalls dreifärbig gewesen war, erinnert und bot spontan an: „Wenn sie morgen noch da ist, übernehme ich die Patenschaft.“

Offensichtlich hatte die Katze meine Worte gehört und auch ernst genommen, denn am nächsten Morgen wartete sie bereits auf mich. Also ging ich Futter einkaufen und taufte die Mieze auf den Namen Jolie.

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In der ersten Zeit gab es auch noch andere Leute, die der neuen Katze Futter brachten und sie mit Streicheleinheiten verwöhnten, doch als die neue Katze nicht mehr ganz so neu war und sie sich gelegentlich auch kratzbürstig zeigte, ließ das Interesse an ihr allmählich nach.

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Immer öfter jedoch hieß es: „Bettina, deine Katze hat mich gekratzt!“ oder „Deine Katze hat einen toten Vogel in der Sattelkammer liegen lassen“ oder „Deine Katze ist beim Springtraining unter das Hindernis gelaufen, mein Pferd hat verweigert und ich wäre beinahe heruntergefallen.“

Also dachte ich bei mir: „Gut, dann habe ich eben nicht nur die Patenschaft übernommen, dann ist sie meine Katze!“

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