Hast du mal wieder was geschrieben?

Eine häufige Frage jener Menschen, die mich nur gelegentlich treffen und meine Aktivitäten auch nicht via Social Media verfolgen. Sie staunen dann nicht selten über meine Veröffentlichungen seit unserer letzten Begegnung.

Aber auch wenn ich gerade nichts veröffentlicht habe, ja selbst wenn ich gerade gar nicht schreibe, schreibe ich. Wahrscheinlich kennen das andere notorische Schreiberlinge ebenfalls, diesen abgespalten kleinen Teil im Gehirn, der stets alles mit dem Schreiben in Beziehung setzt. Da wird beim Betrachten einer schönen Landschaft bereits überlegt, welche Worte ihr am ehesten gerecht würden. Gespräche werden abgespeichert und auf eventuelle Verwendbarkeit einzelnen Redewendungen geprüft. Der Wissenschaftsbeitrag im Fernsehen löst Überlegungen aus, wie er sich in den nächsten Roman einbauen ließe oder wenigstens in eine Kurzgeschichte und beim Lesen wird auch noch der innere Lektor aktiv.

Zum Glück schaffe ich es inzwischen, letzteren selbständig arbeiten zu lassen, sodass die Hauptpersönlichkeit die Geschichte genießen kann. Eine Zeitlang war das Lesen eines Romans mehr Herausforderung als Spaß.

Vor dem eigentlichen Tippen braucht man natürlich zumindest das Grundgerüst einer Geschichte, den Plot. Dieses Grundgerüst zu entwerfen nennt man plotten und wie viele andere Schreiberlinge liebe ich es zu plotten. Kaum ist der Kopf mal nicht voll beansprucht, dann wird an einer Geschichte herumgesponnen.

Gelegentlich spiegeln sich diese inneren Vorgänge in meiner Gesichtsmimik, was schon dazu geführt hat, dass andere Reiter dachte, ich hätte einen Fehler bei ihnen entdeckt. So ist mir schon passiert, dass ich nichtsahnend mein Pferd mit langen Zügeln trocken geritten habe, geistig jedoch bereits dabei war, dem Bösewicht in meiner Geschichte den Garaus zu machen, nur um unvermutet von einer Stimme aus meinen Gedanken gerissen zu werden. „Der Galoppwechsel war total schlecht – oder?“ Ich (irritiert): „Keine Ahnung. Wieso?“ „Du hast so böse geschaut.“

Mein Gesichtsausdruck hängt natürlich vom Inhalt des jeweiligen Kapitels ab. Fällt mir etwas Witziges oder besonders Gemeines ein, dann legt sich ein Grinsen über mein Gesicht. Auch das kann zu Irrtümern führen. So kam einmal eine Reiterkollegin zu mir in die Box als ich gerade beim Ausmisten war, sah mich prüfend von der Seite her an und meinte: „Du schaust voi eigracht aus.“ (Übersetzung: „Du siehst total zugedröhnt aus.“).

Ich mag vielleicht so aussehen, aber ich bin es nicht. Zum Entwickeln schräger Geschichten habe ich bisher noch nie psychoaktive Substanzen benötigt. Ich bin auch nüchtern bereits verrückt genug. Inzwischen hat man sich im Stall daran gewöhnt, dass mein Gesichtsausdruck nicht zwangsweise mit dem aktuellen Geschehen zu tun haben muss.

Die Leute, die mich regelmäßig treffen, wagen kaum noch, mich nach meiner Schreibe zu fragen. Sie wissen, dass sie dann einen mindestens viertelstündigen Vortrag über den Stand des aktuellen Kapitels über sich ergehen lassen müssen. Und die Antwort auf die Frage, ob ich wieder mal was geschrieben habe, kennen sie sowieso, denn die lautet immer ja. Schließlich schreibe ich ständig. Selbst wenn ich nicht schreibe.

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Meine Katze und die Heizung

Meine Katze habe ich in früheren Blogbeiträgen bereits vorgestellt. Sie wohnt immer noch auf der Reitanlage, ist dort hauptberuflich als Mäusejägerin tätig, unterstützt mich jedoch auch bei meiner Arbeit, begleitet mich zu den Reitstunden und auf die Pferdekoppeln, setzt sich auf den Quittungsblock wenn ich schreiben möchte, klettert in die Kassa wenn ich Wechselgeld brauche und bedient die Rechenmaschine. Leider hat mir niemand die fünf Millionen bezahlt, die sie ausgerechnet hat.

Mit zunehmendem Alter hat sie jedoch, besonders in der kalten Jahreszeit, die Vorzüge des Heizkörpers im Büro schätzen gelernt. Wenn es draußen stürmt und schneit, schenkt sie mir einen mitleidigen Blick, wenn ich mich auf den Weg in die kalte Reithalle mache und macht es sich auf der Heizung bequem.

Fasziniert von den unterschiedlichsten Verrenkungen, in den meine Katze eine je nach Wunsch größere oder kleinere Oberfläche auf der heißen Oberfläche platziert, bin ich regelmäßig der Versuchung erlegen, sie zu fotografieren. Sie lässt es mehr oder weniger gelassen über sich entgegen. Wenn es ihr zu bunt wird, reckt sie mir einfach ihren Po entgegen.

Mäuse werden an kalten Tagen im Schnellverfahren erlegt, damit der warme Heizungsplatz möglichst kurz verlassen werden muss. Obwohl ich gestehen muss, dass ihre Jagdambitionen mit zunehmendem Alter schwinden. Da ist es mir doch tatsächlich passiert, dass auf eine entsprechende Aufforderung hin („Was ist los? Mausi jagen gehen!“) der Heizungsplatz zwar umgehend verlassen wurde, jedoch nur um direkt neben der Futterschüssel Aufstellung zu nehmen und mich erwartungsvoll anzusehen.

Den Mäusen wird es recht sein, wenn die Katze zwar nicht aus dem Haus ist, aber immerhin bequem auf der Heizung liegt. Allzusehr sollten sie sich jedoch nicht freuen. An den warmen Tagen erwachen die Lebensgeister meiner Katze und sie geht wieder auf die Jagd. Manchmal zum Entsetzen meiner Reitschülerinnen. So wurde einmal das Erscheinen meiner Katze mit einer Maus im Maul mit einem entrüsteten: „Sie ist voll die Mörderin!“, quittiert. Ich meinte darauf nur: „Das ist ihr Job.“ Daraufhin nachdenkliches Schweigen, dann das Aufleuchten einer Erkenntnis in den Augen der Mädels: „Sie ist eine Auftragskillerin!“

Casper Teil 2

Wie ich zu Casper gekommen bin, habe ich im vorhergehenden Blogbeitrag schon geschildert. Nun will ich berichten, wie es mir mit meinen Bemühungen erging., 

Anfangs ignorierte er jede leichte Einwirkung, ignorierte zum Teil auch mich. Es bedurfte manchmal recht deutlichen Körpereinsatzes, um ihn zum Zuhören zu bringen. Caspar hatte die Schnauze voll von Menschen. Er verstand sie nicht, sie interessierten ihn nicht und er wollte nicht mit einem zusammenarbeiten.

Es dauerte Wochen, bis ich das Gefühl hatte, dass er mich wirklich ansah und dass er schließlich sogar begann Engagement zu zeigen und von sich aus mitzuarbeiten.  Die Seitengänge machten ihn geschmeidiger, die Arbeit mit den Bodenstangen verschaffte ihm mehr Gefühl für seine Beine, die Arbeit an der Longe verbesserte seine Kondition. Ich nützte die Nebensaison, um ihn für eine Weile aus dem Schulbetrieb herauszunehmen und konnte es mir daher leisten, ihm Kraftfutter zu geben. Ich begann auch ihm im Schritt zu reiten und merkte zu meiner Erleichterung, dass er recht schnell umsetzen konnte, was ich am Boden mit ihm geübt hatte. Er ist recht schmal gebaut und daher fiel es ihm nicht gerade leicht, sich unter dem Reiter auszubalancieren, aber auch hier halfen ihm die Seitengänge.

Zusätzliche Schwierigkeiten stellten seine extreme Schiefe und seine Tendenz zum Kleben und Klemmen dar. Für die Nichtreiter unter euch hier eine kleine Erklärung: Jedes Pferd hat eine bevorzugte Seite, genauso wie wir Menschen. Durch schlechtes Reiten, wird dieser Unterschied immer größer, bis deutlich zu sehen ist, dass die Vorder- und die Hinterbeine auf unterschiedlichen Spuren laufen. Ein Pferd das klebt will ständig anderen Pferden hinterher laufen und kann ziemlich bockig werden, wenn es von ihnen weg soll. Ein Pferd wiederum das klemmt, geht aufgrund einer zu hohen Grundspannung zu wenig vorwärts und Einwirkungen des Reiters machen es häufig langsamer als schneller.

Umso mehr freute es mich, dass Casper trotz seiner Probleme zunehmend besser zu reiten war. Ich begann ihn allmählich auch zu traben, nützte die anderen Pferde, um ihn mehr ins Vorwärts zu bekommen. Immer öfter wurde ich von Privatreitern angeredet, wie gut er sich entwickle. Unsere ersten Galoppversuche waren noch sehr verhalten, aber ich ließ mir Zeit. Wäre die Saison nicht mit Riesenschritten näher gerückt hätte ich mir noch mehr Zeit gelassen.

Nun blieb mir nichts anderes übrig, als ihn auch einzusetzen. Er machte sich für seine Verhältnisse ganz gut, auch wenn er immer noch keine Begeisterung bei den Reitschülern auslöste. Mich selbst quälte natürlich die Sorge, wieviel während des Sommers von meiner Arbeit wohl wieder verloren gehen würde. Ich versuchte ihn mit Bodenarbeit halbwegs bei Laune zu halten, aber viel Zeit blieb mir nicht für ihn. Im September machte er seinen Job nur noch unwillig. Beim Galoppieren schlug er häufig aus. Besonders schlimm war es nach meinem Urlaub in Spanien. Motiviert nach meiner schönen Zeit bei den Dyslies, begann ich wieder mit ihm zu arbeiten, obwohl ich immer noch durch Schülergruppen und Touristen ziemlich gefordert war.

Es gelang  mir, erstaunlich schnell zu ihm durchzudringen. Innerhalb kürzester Zeit war der Status vom Frühling wiederhergestellt und als er dann begann sich immer besser zu entwickeln, beschloss ich, mit ihm weiterzuarbeiten. Er ist kein Anfängerpferd. Ich weiß nicht, ob er jemals eines werden wird. Aber er macht mir immer mehr Spaß und ich habe beschlossen, mit ihm zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Lange schon wünsche ich mir ein Schulpferd, das weiter ausgebildet ist. Unsere Pferde werden nur den Anforderungen bis zur Reiternadel gerecht. Oft kommen aber auch bessere Reiter zu uns und ich kann ihnen kein wirklich interessantes Pferd anbieten. So wie Casper nun dazu lernt, könnte er irgendwann dieses Pferd werden. Seine Bewegungen sind viel weicher geworden. Er ist zwar immer noch alles andere als leichtrittig, zeigt aber bereits erste Ansätze sich zu versammeln und bekommt auch immer mehr Spaß am Springen.

Also werde ich weiter mit ihm spielen, in Hoffnung, ihn auch in Zukunft weiter bei Laune zu halten und ihn einem guten Lehrpferd für bessere Reiter zu machen.

Casper

Auf Facebook habe ich schon das eine oder andere Foto von ihm gepostet und auch in meinem Blogbeitrag vom März diesen Jahres hat er schon Erwähnung gefunden: Casper.

Der inzwischen siebenjährige Huzulenwallach ist vor eineinhalb Jahren zu uns gekommen. Mein Chef wollte ihn haben, weil er mit seinen 1,50 Meter Stockmaß für einen Huzulen relativ groß ist. Ich war von dem kleinen Kerl von Anfang an nicht begeistert. Er hatte außer einem deutlichen Unterhals keine ausgeprägte Muskulatur, konnte sich nicht lange konzentrieren, war bei den Reitstunden mehr daran interessiert die anderen Pferde zu ärgern als seinem Reiter zu gehorchen und weigerte sich hartnäckig, die Gruppe zu verlassen, um eine Galopprunde zu drehen.

Auch als sich unsere erfahreneren Mädels, die längst eigene Pferde besitzen, an ihm versuchten, wurde es nicht besser. Er lief in der Abteilung wohl hinterher, wurde jedoch mit jeder verstreichenden Minute langsamer. Kraftfuttergaben um ihm mehr Power zu verschaffen, bewährten sich ebenfalls nicht. Er begann bloß zu bocken und sich die Zeit damit zu vertreiben, die anderen Pferde in den Hintern zu beißen.

Ich bat meinen Chef, ihn umzutauschen, fand jedoch kein Gehör. Am Ende der Saison, als ich endlich wieder etwas mehr Zeit hatte, stand ich vor einer Entscheidung: Entweder ich beschäftige mich selber mit dem kleinen Kerl oder es wird nichts mit ihm. Meine Motivation hielt sich in Grenzen. Seine Bewegung sah schrecklich unbequem aus und als ich mich schließlich mal auf ihn setzte, erwies sich dies als zutreffend. Er war steif wie ein Brett und jeder seiner Schritte eine Beleidigung sowohl für seinen Rücken als auch für meinen. Seine Bewegungsmechanik glich mehr der eines Kamels als der eines Pferdes. Außerdem musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass, obwohl wir ihn als fertig eingeritten gekauft hatten, er die Hilfengebung nicht verstand. Er wusste also nicht was der Reiter von ihm wollte. Dafür war er eigentlich relativ brav gewesen.

Nein, reiten wollte ich den kleinen Kerl wirklich nicht, zumindest nicht sofort. Mein Rücken ist nicht mehr das, was er mal war. Korrekturpferde können mir massive Schmerzen bescheren und ich muss sagen, darauf hatte ich nun wirklich keine Lust. Aber vielleicht, so überlegte ich, wäre er das perfekte Versuchsobjekt für meine Idee, dass es möglich sein musste, mir Pferde über Bodenarbeit soweit vorzubereiten, dass auch ich, mit meinem angeschlagenen Rücken, sie reiten konnte.

Gleich nach meinem ersten Kurs mit Kenzie Dyslie im September 2016 begann ich mit Casper vom Boden aus zu arbeiten. Ich begann verschiedene Systeme zu kombinieren. Schließlich hatte ich mich auch schon mit klassischer Bodenarbeit befasst und Kurse bei Robin Hood, der Schwester von Linda Tellington-Jones, besucht. Außerdem suchte ich im Internet nach weiteren Informationen, sah mir unzählige Filme an und begann mit Caspar alles Mögliche auszuprobieren.

Forsetzung folgt!

 

Lesung am 19.10.2017

Es hat eine Weile gedauert, aber nun gibt es endlich einen Nachbericht zu meiner Lesung. Am 19.10.2017 war ich wieder einmal in die Stadtbücherei Zell am See eingeladen. Ein Heimspiel also sozusagen.

Beim Vorbereiten überlegte ich mir, dass man meine Romane auch ohne meine Unterstützung lesen kann und mich selbst bei Lesungen, kurze, in sich abgeschlossene Texte und Geschichten rund um die Entstehung des Werkes mehr interessieren als Ausschnitte aus einem Roman. Außerdem fällt es mir leichter, aufmerksam zu bleiben, wenn alle Sinne angesprochen werden und ich nicht bloß zuhöre.

Entsprechend konzipierte ich meinen Vortrag. Nur zwei kurze Ausschnitte aus ‚Spiegelzauber‘ (im Oktober 2017 wiedererschienen) und ‚Schattenspiele – Austrian Vampire World‘ (erschienen im Oktober 2017). Da meine Vampirserie ausschließlich in Form von Ebooks erhältlich ist und ich aus diesem Grund kein handfestes Anschauungsmaterial zur Verfügung hatte, unterstützte ich zum ersten Mal meinen Vortrag mit einem Beamer. Das ermöglichte mir, die Cover der drei bislang erschienen Bände und bei meiner Recherchearbeit entstandene Fotos vorzuzeigen.

Es dauerte, bis ich die Zuhörer darüber aufklärte, warum ich eine ganze Reihe von Stofftieren mitgebracht hatte. Erst als ich sie in die Welt der Plotbunnys einführte und demonstrierte, wie man sich Autor fühlt, wenn man von Ideen verfolgt wird, die unbedingt geschrieben werden wollen, kamen meine plüschigen Assistenten zum Einsatz. Ich bin mit Sicherheit nicht die einzige, für die Ideen beinahe eigenständige Wesen sind. Sonst wäre wohl nie der Begriff des Plotbunnys entstanden. Für mich fühlen sie sich immer an wie Hundewelpen, die an mir hochspringen, und keine Ruhe geben, bis sie endlich meine Aufmerksamkeit erringen. Aber mit Häschen kann ich auch ganz gut leben.

Zum Abschluss gab ich noch einige Blogbeiträge zum Besten und untermalte sie mit entsprechenden Bildern. Dabei stahl mir meine Katze die Show. Gut, dass ich einen ganzen Ordner mit Fotos von meinem Minitiger auf meinem Laptop habe. Ich fürchte, mit Katzengeschichten könnte ich ein wesentlich größeres Publikum begeistern, als mit meinen Vampiren. Mein Pech, dass ich einfach nicht von den Blutsaugern loskomme. Aber die Plotbunnys, die mich verfolgen, haben eben sehr lange und sehr spitze Zähne.

BuCon 2017

So schwer es mir fiel, schon wieder meine Pferdchens alleine zu lassen, BuCon musste sein. Diese Veranstaltung für alle Fans der phantastischen Literatur lockt mich regelmäßig nach Deutschland. Auch dieses Jahr habe ich mir Freitags wieder in den Zug gesetzt, um mich beim Vortreffen am Abend schon mal einzustimmen und mit ein paar Leuten zu quatschen, denn am Samstag erwischt man sowieso nicht alle. Außerdem gibt es viele interessante Lesungen und Vorträge gleichzeitig, sodass man bei jedem Besuch die Qual der Wahl hat.

Nach einigem Brüten über dem Programmheft habe ich mich schließlich mit ‚Die Heldenformel‘ einem Vortrag von Mike Kryzwik-Groß in die theoretischen Hintergründe der Heldenreise einweihen lassen, dann Carsten Steenbergen, Ann-Kathrin Karschnik und Tom Daut bei ‚Diebesträume‘ belauscht und bin schließlich bei Tommy Krappweis hängen geblieben. Eine gute Wahl wie ich jetzt sagen kann. Einerseits weil ich ausgezeichnet unterhalten wurde und andererseits, weil man sich natürlich von jedem Referenten auch etwas abgucken kann. Denn man schreibt zwar im stillen Kämmerlein, aber wer seine Bücher verkaufen möchte, kann das am besten, wenn er mit seiner Stimme das Publikum zu fesseln vermag und es am besten auch noch zum Lachen bringt. Und da kann man sich Tommy Krappweis sicherlich zum Vorbild nehmen.

Um anschließend meine eigenen Bücher zu entdecken bedurfte ich jedoch der Hilfe von Ernst Wurdack. Er hatte offensichtlich die besseren Augen als ich. Als ich bei meinen Bemühungen, den Stand des Machandel Verlags zu finden, zum wiederholten Mal beim Stand des Wurdack Verlags gelandet war, hat er sich meiner erbarmt, mich zielstrebig zum Stand des Manchandel Verlags gelotst und mich blindes Huhn auf meine eigenen Bücher hingewiesen. Zu meiner Ehrenrettung sei zu sagen, dass die Verlegerin gerade nicht am Stand und das Schild recht klein war, aber die eigenen Bücher nicht zu sehen. Ts, ts, ts …

Voller Freude über das Wiedererscheinen von ‚Spiegelzauber‘ habe ich jedem der es wollte (oder auch nicht wollte) ein Exemplar unter die Nase gehalten. Zwei meiner Autorenkollegen (wer schreibt liest normalerweise auch gern) haben sich meiner erbarmt und ein Buch mit nach Hause genommen. Jetzt bin ich natürlich schon gespannt auf ihr Feedback.

Nach einem Stündchen Standdienst bei den Geschichtenwebern und einigen netten Gesprächen, kam es zur Verleihung des BuCon Ehrenpreises, den absolut verdient der rührige Torsten Low gewonnen hat. Der ‚bissige‘ Verleger war in diesem Moment gar nicht bissig, sondern so gerührt, dass er mit den Tränen kämpfte. Ein weiterer sehr verdienter Preisträger war Herbert W. Frank, der für sein Lebenswerk geehrt wurde.

 

Den Abend habe ich dann mit einem gemütlichen Abendessen mit den Autoren des Verlages Torsten Low ausklingen lassen. Aber das Ende des Abend ist eigentlich noch nicht das Ende des BuCon, denn man trifft sich  noch zum Frühstück, braucht eine Ewigkeit, um sich zu verabschieden (schließlich muss man jeden, den man kennt – und das werden jedes Jahr mehr Leute – mindestens einmal umarmen), schreibt noch beim Nachhausefahren die ersten Facebookbeiträge, postet bei Instagramm, twittert, liest, was die anderen geschrieben haben, sieht sich das eine oder andere Filmchen an, verabredet sich schon für das nächste Jahr …

Denn wie heißt es so schön: Nach dem BuCon ist vor dem BuCon!

Der Sonne entgegen

Wer mich kennt, weiß wie schnell bei mir Kältereiz zu verkrampfter Muskulatur führen kann. Das bedeutet Rückenschmerzen, die sich im Laufe der Jahre immer resistenter gegen die Mittelchen der Schulmedizin zeigen und die bereits einmal zu einem Bandscheibenvorfall geführt haben. Was mir hilft sind Qigong, Yoga, Dehnungsübungen, Faszienrollen – und warmes, trockenes Klima.

Ich habe also angefangen, zumindest einmal im Jahr in den Süden zu flüchten, war schon in Portugal, Brasilien, Indien und Spanien. Letzterem Land bin ich treu geblieben. Als Pferdesüchtige zieht es mich natürlich am meisten nach Andalusien. Nach einer Reiterrundreise bin ich nun zum zweiten Mal auf der Hacienda Buena Suerte zu Gast und lasse mich weiter in die Spanische Reitweise einweisen, nachdem ich auch mal in die Westernreiterei hineingeschnuppert habe.

Daneben bleibt genug Zeit zum Schreiben, Entspannen am Pool, Ausflüge machen und nette Leute kennenlernen. Meinem Rücken geht es von Mal zu Mal besser und ich muss gestehen, jetzt, einen Tag vor der Heimreise, würde ich meinen Aufenthalt am liebsten verlängern. Doch der Brotjob ruft und um meine Pferde sollte ich mich auch wieder selbst kümmern.

Meine Pferde zusammenpacken und nach Spanien mitnehmen? Nein, das möchte ich ihnen nicht zumuten. Bei meiner alten Dame schließen schon ihre neunundzwanzig Jahre eine Umsiedelung aus, aber auch meiner Warmblutstute mit ihren siebzehn Jahren würde ich die spanischen Verhältnisse nicht antun wollen. Abgesehen von der Hitze (mit der sie noch am ehesten klar kommen würde), müsste sie auch auf Gras verzichten (die Pferde in Spanien ernähren sich von Haferstroh und Luzerne) und würde von einer Unmenge von Insekten heimgesucht

 Besonders Hirschlausfliegen treten hier in einer Menge auf, die jedem mitteleuropäischen Pferd Alpträume verursachen würde. Sorgt in Österreich schon das Auftauchen eines einzigen dieser hartnäckigen Tierchen, die sich gern zwischen zarten Hautfalten an delikaten Stellen festkrallen, für Unruhe, nehmen die spanischen Pferde diese Heimsuchung mit stoischer Gelassenheit hin. Meinem Lehrpferd Rocky habe ich vor der ersten Unterrichtsstunde neun von diesen Viechern aus dem Hinterteil gepflückt und mit den Fingernägeln zerquetscht (anders sind diese Tiere nicht kaputt zu kriegen).

Und selbst wenn meine Pferde nicht wären, so bin ich immer noch zu stark in Österreich verwurzelt, um tatsächlich auszuwandern. Eine alljährliche Auszeit jedoch erscheint mir ausgesprochen attraktiv. Vielleicht ließe sich sogar ein zweiter Termin finden. Auch einer Workation im Süden wäre ich nicht abgeneigt. Wer weiß, vielleicht hat mal jemand Interesse an meinen Kenntnissen bezüglich Sitzschulung oder Qigong oder möchte eine Schreibwerkstatt veranstalten?

Mal sehen, was sich in Zukunft noch ergibt. Alles ist möglich. Vielleicht verbringe ich mit jedem Jahr mehr Wochen in südlichen Gefilden. Und wer weiß, möglicherweise ziehe ich mit zunehmendem Alter Stück für Stück meine Würzelchen aus dem Heimatboden. Ich will es nicht ausschließen, denn wenn ich an die Zukunft denke, höre ich eine Melodie im Hinterkopf. Ein leises, aber beharrliches Summen. Wenn ich ihm lange genug lausche, taucht auch der dazugehörige Liedtext auf … „und irgendwann bleib i dann dort …“

Wo nimmst du nur deine Ideen her?

Das ist die häufigste Frage, die mir gestellt wird, sobald jemand erfährt, dass ich schreibe. Manchmal wird sie auch mit fassungslosem Erstaunen ausgesprochen nachdem eines meiner Bücher gelesen wurde. Sie ist für mich ebenso schwer zu beantworten, wie für die meisten meiner AutorenkollegInnen. Die häufige Nachfrage hat jedoch dazu geführt, dass ich begonnen habe, mir Gedanken darüber zu machen, wie das entstanden sein könnte, was da so aus meinem Unterbewusstsein hochschwappt.

Laut Eisbergmodell nimmt unser Tagesbewusstsein nur zehn bis zwanzig Prozent ein, der unterbewusste Anteil ist somit deutlich höher und in der Tiefsee meiner Gedanken scheinen eine ganze Menge Monster zu lauern, die nur darauf warten, in Worte gefasst zu werden.

Da ich sehr viel mit Tieren und Menschen und den Beziehungen zwischen ihnen zu tun habe, kann es durchaus sein, dass ich aus diesem Grund so gern Vampirgeschichten schreibe. Mit welchem Mythengeschöpf ließe sich sonst die gegenseitige Abhängigkeit, wie sie zwischen Haustieren und Menschen besteht, besser darstellen? Ein Werwolf kommt ohne Menschen wunderbar klar. Ein Vampir hätte definitiv Probleme.

Faszinieren mich deshalb jene Vampire, die ihren Grundcharakter nach der Verwandlung behalten und genauso unterschiedlich mit Menschen umgehen, wie Menschen mit Tieren? Für geistlose Monster, die nach Blut, Gehirn oder was auch immer lechzen und sonst kaum noch Bedürfnisse kennen, konnte ich mich noch nie begeistern. Dämonen, die sich von menschlichen Emotionen nähren, wären ebenfalls eine Option, aber ein Dämon war immer ein Dämon und gehört somit einer anderen Spezies an, während ein Vampir zuvor ein Mensch gewesen ist. Warum sollte er also nach seiner Wandlung nicht weiterhin gewisse menschliche Eigenschaften aufweisen? Allerdings muss ich zugeben, dass auch von Dämonen eine gewisse Faszination ausgeht und der eine oder andere hat auch schon den Weg in meine Geschichten gefunden.

Warum jedoch ausgerechnet Mythengeschöpfe? Ich habe keine Ahnung. Vermutlich bin ich mit dieser Vorliebe auf die Welt gekommen, genauso wie mit meiner Begeisterung für Pferde. Meinen Großvater habe ich schon als Kleinkind stets zielstrebig zur Reithalle dirigiert, wenn er mich mit dem Kinderwagen ausfuhr, und er musste mir auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit Märchen, Sagen und Gruselgeschichten vorlesen. Auf meine Eltern war ich bitterböse, weil sie mir nicht erlaubt haben, mit vier Jahren ‚Dracula‘ im Fernsehen anzugucken und ich weiß auch nicht, wie viele Zehnjährige bereit wären, sich von ihren Eltern zu trennen und sich alleine einer Führung anzuschließen, um die Gebeine in den Katakomben des Stephansdoms zu bewundern.

Man müsste also sehr, sehr weit zurück gehen, um eine Erklärung zu finden. Vielleicht sogar über meine Geburt hinaus. Vielleicht habe ich von meinem Vater etwas übernommen, der trotz seiner Liebe zur heimischen Bergwelt auch immer wieder mal ausgesprochen bizarre Bilder malt. Eine genetische Prädisposition also? Vielleicht haben aber auch Feen an meinem Gitterbett gestanden und das eine oder andere ausgeplaudert, das mich heute noch beeinflusst. Ich habe keine Ahnung. Doch muss ich gestehen, dass mir das egal ist. Es ist einfach so und es macht unglaublichen Spaß!

Kamikatze

Ende Juli haben meine Katze und ich unser zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass wir einen so langen Weg gemeinsam gehen würden, denn meine Katze ist eine reinrassige Kamikatze. Das heißt sie ist ein Adrenalinjunkie und es geht ihr nicht gut, wenn sie nicht mindestens einmal täglich ihr Leben riskiert.

Mal läuft sie unter einem galoppierenden Pferd durch, dann wieder springt sie vom fahrenden Traktor oder legt sich mit einem Hund an. Ihr Selbstbewusstsein steht in keiner Relation zu ihrer Körpergröße. Sie hat absolut keine Hemmungen, sich vor 600 Kilo Pferd mitten auf den Hufschlag zu setzen und erbost zu fauchen, vollkommen davon überzeugt, dass es ihr gutes Recht ist, allen Platz für sich zu beanspruchen.

Mir ist mehr als einmal das Herz stehen geblieben, wenn ich meine Katze vor meinem geistigen Auge bereits tot gesehen hatte. Zwei Wochen lang hatte sie einen Knickschwanz, weil er unter einen Pferdehuf geraten war. Aber meine Katze hat wohl für jede Farbe neun Leben. Selbst der Schwanz hat sich wieder erholt, ist weder abgefallen, noch geknickt geblieben. Ein gerissenes Kreuzband führt dazu, dass sie nicht mehr so gut springen kann und gelegentlich leicht hinkt. Das hindert sie jedoch nicht daran, ganze Mäusefamilien auszulöschen.

Mehr als einmal habe ich daran gedacht, sie zu einer Wohnungskatze zu machen, aber ich fürchte, dann würde sie selbstmörderische Tendenzen entwickeln oder aus lauter Frustration meine Wohnung zerstören. Denn sie liebt es, sich genau dort aufzuhalten, wo am meisten los ist. Lärm zieht sie an, statt sie abzuschrecken. Trotz ihres lädierten Knies turnt sie nur zu gerne auf den Stroh- und Heuballen herum und balancierte die Bande in der Reithalle entlang.

Aber zum Glück ist sie mit den Jahren ruhiger geworden. Besonders bei Schlechtwetter oder an kalten Wintertagen begnügt sie sich nun damit, sich im Büro ein Plätzchen zu suchen und es sich gemütlich zu machen. Mal sorgt sie dafür, dass kein Lieferschein verloren geht, indem sie sich auf den Stapel legt, dann wieder bewacht sie den Karton mit den Prospekten, sodass außer mir niemand mehr einen herausnehmen kann. Wenn es so richtig kalt ist, macht sie es sich auf dem Heizkörper gemütlich und beobachtet durch das Fenster das Wetter, damit sie wieder auf Pirsch gehen kann, sobald die Sonne heraus kommt. Und das wird sie hoffentlich noch lange tun.

 

 

 

Der weiße und der schwarze Wolf

Vielleicht kennt sie der eine oder andere schon, die Geschichte vom weißen und vom schwarzen Wolf. Für all diejenigen, die sie nicht kennen, hier die Kurzversion:

Es heißt, dass ein Indianer sie seinem Enkel erzählt hat. Er sagte, dass in jedem von uns ein weißer und ein schwarzer Wolf leben. Der schwarze Wolf steht für Wut, Neid, Kummer, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbstmitleid und Schuld, Groll und Minderwertigkeit, Lügen, falschen Stolz, Überlegenheit und Ego. Der weiße Wolf steht für Freude, Liebe, Hoffnung, Frieden, für Gelassenheit und Ergebenheit, für Freundlichkeit, Wohlwollen, Mitgefühl, Großzügigkeit , Wahrheit, Mitleid und Vertrauen. „Die beiden Wölfe kämpfen gegeneinander, in dir und in jedem anderen Menschen.“ erzählte der Großvater. „Welcher der Wölfe gewinnt den Kampf?“ fragt der Junge. Sein Großvater antwortet: „Derjenige, den du fütterst.“

 

Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem Ende nie so recht wohl gefühlt habe. Der Gedanke, dass ich einen hungrigen, zornigen Wolf in mir habe, hat mir nicht so recht behagt. So hat sich diese Geschichte immer wieder in meine Gedanken geschlichen. Auch beim Meditieren hat sie mich verfolgt.

Mit sind die Momente bewusst geworden, in denen meine Wut mir Kraft verliehen hat, Dinge zu tun, zu denen ich sonst nicht in der Lage gewesen wäre. Ohne meine dunkle Seite gäbe es auch keine Horrorgeschichten von mir und meine Paranormal Romance Romane wären ziemlich weichgespült.

Meine dunkle Seite ist ein Teil von mir. Ohne sie wäre ich nicht ich. Abgesehen davon kann sie, und damit auch der schwarze Wolf, nicht sterben. Nicht solange ich lebe. Es gehört zum Menschsein dazu, auch einen dunkle Seite zu haben.

Mir fiel auf, dass mich das Schreiben von Horrorgeschichten beruhigt, aber besonderen ausgleichend auf mein Gemüt wirken die Paranormal Romance Storys. Mit der Zeit begann ich mich zu fragen, woher das kommt. Plötzlich sah ich die beiden Wölfe vor mir. Sie wirkten nach der Schreibsession satt und träge, hatten keine Lust aufeinander loszugehen, ließen sich sogar streicheln und legten mir schließlich die schweren Köpfe in den Schoß.

Während meine geistigen Finger durch das weiße und das schwarze Fell fuhren, wurde mir alles klar. Die Wölfe nähren sich von Aufmerksamkeit. Gerade bei meinen Paranormal Romance Geschichten kann ich schwarzen Wolf genauso füttern wie den weißen. Horrorelemente, Kampf und Action haben in diesem Genre ebenso Platz wie Liebe und Grießschmarrn. Dabei tue ich niemandem weh, sondern hoffe, dass meine Leserinnen genauso viel Spaß beim Lesen haben, wie ich beim Schreiben.

Also füttere ich sie weiter mit meinen Geschichten, den weißen UND den schwarzen Wolf, damit sie gar nicht erst anfangen zu kämpfen.