Qigong und Vampire

Ich sollte ja eigentlich lernen. Das habe ich mir zumindest vorgenommen. Mit meinem Roman wollte ich erst nach der 2. Zwischenprüfung zum Qigonglehrer weitermachen. Schließlich gibt es auch im Brotjob mehr Arbeit als sonst und natürlich möchte ich mich bei der Prüfung nicht blamieren.

Also brav die Lernunterlagen hervorgeholt und angefangen zu studieren.

Mit dem Holzelement begonnen. Schließlich steht das Holz für den Anfang. Und was bitteschön soll bei Holz schon schiefgehen? Nichts das mich ablenkt und an Vampire erinnert. Oder doch? Aus Holz kann man einen Pflock machen. Sofort ist das entsprechende Bild da. Hastig den Geist wieder auf die rechte Bahn gebracht. Der zum Holz gehörende Organfunktionskreis ist Gallenblase und Leber. Na siehst du! Geht doch!

Ich lese weiter: Die Leber unterstützt die Blutzirkulation und speichert das Blut.

Schon beginne ich nachzudenken: Haben Vampire eigentlich eine Leber? Genaugenommen könnten bei ihnen sämtliche Organe dazu verwendet werden, Blut zu speichern, schließlich nehmen sie keine andere Nahrung mehr zu sich.

Ich reiße mich zusammen. Keine weiteren Gedanken an Vampire! Der fünf Elemente Lehre gehört meine Aufmerksamkeit und nach dem Holz ist das Feuer dran. Zumindest im Entstehungszyklus. Zum Feuer gehören die Organe Herz und Dünndarm. Und das Herz-Qi bewegt das Blut. Was passiert dann bei einem Vampir, dessen Herz stillsteht? Verteilt sich das Blut nach dem Prinzip der Osmose im ganzen Körper? Oder funktioniert der Kreislauf durch Bewegung, ähnlich wie bei einem Hai? Was geschieht, wenn der Vampir still in seinem Sarg oder seiner Gruft liegt?

Schon wieder! Jetzt lerne ich aber wirklich. Zur Sicherheit wechsle ich zur Erde. Die solide, feste Erde erscheint mir weniger gefährlich als das Feuer. Auch wenn es von manchen Vampiren heißt, dass sie nur in Heimaterde schlafen können und deshalb auch auf Reisen stets ein wenig davon mitführen. Die zur Erde gehörenden Organe sind Magen und Milz. Brav lese ich mir die Aufgaben der Milz durch. Und was steht da? Bildung von Blut und Qi aus der Nahrung. Also braucht ein Vampir keine Milz. Er trinkt das Blut, bildet es nicht selbst.

Fix! Jetzt bin ich schon wieder bei den Vampiren. Ich nehme ganz energisch mein Buch wieder zur Hand. Metall ist das nächste Element. Nein, das ist zu gefährlich. Eine klassische Methode einen Vampir unschädlich zu machen, ist, ihm den Kopf abzuschlagen. Dazu ist eine Klinge aus Metall ausgesprochen nützlich.

Also lieber gleich weiter zum Wasser. Auch wenn es in manchen Geschichten heißt, Vampire könnten kein fließendes Wasser überqueren, so habe ich doch noch nie davon gehört, dass ein Vampir ersäuft worden wäre. Wasser ist also ein wesentlich ungefährlicheres Element. Die zu diesem Element gehörenden Organe Niere und Blase machen auch einen gänzlich harmlosen Eindruck. Bis man genauer darüber nachdenkt. Eine richtige Horrorgeschichte geht einem schonmal an die Nieren und ein ordentlicher Schrecken kann durchaus dazu führen, dass sich die Blase plötzlich entleert. Nicht umsonst gehören die Ängste zu den dem Wasserelement zugeordneten Emotionen. Was zu der Frage führt, ob ein Vampir noch pinkeln muss. Macht er sich vielleicht gar in die Hose, wenn er gepfählt wird? In der Vampirliteratur wird auf diese Frage nicht eingegangen. Wenn da von einem angepissten Vampir die Rede ist, ist meist etwas ganz anderes gemeint.

Ich trete mir geistig selbst in den Hintern. Lernen, Bettina, lernen! Also ein weiterer Versuch. Ich nehme mir die Funktionen der Nieren vor. Und was steht da schwarz auf weiß: Die Niere nährt die Leber und trägt zur Blutbildung bei.

Blut! Nichts als Blut! Wie soll ich da nicht an Vampire denken? Mit den fünf Elementen habe ich für heute erstmal abgeschlossen. Das wird nichts mehr. Also zurück zu den Grundlagen, dem Fundament des Qigong. Da kann nun wirklich nichts schiefgehen. Ich blättere im Buch, richte meine Konzentration auf das Gedruckte. Und was lesen da meine müden Äuglein: Das Qi folgt der Aufmerksamkeit und dem Qi folgt das Blut.

Ich gebe auf. Die Hinweise sind zu deutlich. Ich muss an meiner Vampirgeschichte weiterschreiben, kann gar nicht anders, denn aus dem eben Gelesenen ergibt sich klar und deutlich: Wo ich meine Aufmerksamkeit hinlenke fließt Blut.

Und das fließt doch wirklich besser in einer Geschichte als anderswo!

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