Schreiben und die fünf Wandlungsphasen

Von meinen Schwierigkeiten, mich aufs Lernen zu konzentrieren, habe ich schon berichtet. Aber irgendwie muss ich es schaffen, meinen Geist längere Zeit von den Pferden und vom Schreiben fernzuhalten, schließlich rückt der Prüfungstermin immer näher und ich habe das Gefühl, zwar einen groben Überblick über den Stoff gewonnen zu haben, bei den Details aber noch nicht ausreichend sattelfest zu sein.

Bücher über Gehirntraining raten zu Eselsbrücken. Und ja, das Hippo auf dem Campus aus Christiane Stengers Buch ‚Lassen Sie ihr Gehirn nicht unbeaufsichtigt!‘ steht mir immer noch deutlich vor Augen, doch ich muss mir nicht den Begriff Hippocampus einprägen, sondern die Einzelheiten zu den fünf Wandlungsphasen und zum energetischen Stoffwechsel.

Ein bisschen was ist im Zusammenhang mit den Vampiren schon hängen geblieben, aber ich kann mich schließlich bei der Prüfung schließlich nicht auf die ‚blutigen‘ Inhalte beschränken. Witzige, einprägsame Bilder wollten mir nicht einfallen. Außerdem merke ich mir Sachen in Zusammenhang mit einer Geschichte sowieso leichter. Also eine Geschichte über die fünf Wandlungsphasen schreiben? Wäre naheliegend. Aber auch hier ließ mich meine Kreativität im Stich.

Also versuchte ich es mit ganz konventionellem Pauken. Die Abfolge hatte ich bereits verinnerlicht, auch die jeweils zugehörigen Organe. Daher ging es jetzt darum, mir zu merken, wie sich die Elemente im Menschen zeigen. Holz steht für den Beginn, ob dies nun die Geburt ist, oder ob man im Verlauf seines Lebens etwas Neues beginnt – sei es ein neuer Job, das Üben von Qigong oder das Schreiben eines Buches. Letzteres passt besonders gut, denn schließlich gehört die Kreativität auch zum Holz, genauso wie das Bilderleben. Wobei mit Bilderleben das Aufsteigen innerer Bilder gemeint ist.

Wenn schon der Beginn der fünf Wandlungsphasen so perfekt zum Schreiben passt, warum nicht nach weiteren Verbindungen suchen?

Wenn also das Holz für das Schreiben der Rohfassung, für die Explosion schriftstellerischer Kreativität steht, dann könnte man das Feuer wohl dem Lektorat zuordnen. Schließlich ist der zentrale Aspekt im Feuer: ‚vom ich zum wir‘. Man arbeitet mit jemandem zusammen, um den Text zu verbessern, verfällt gelegentlich in Hektik oder Stress (zu viel Yang im Feuer) wenn Abgabetermine einzuhalten sind, Buchmessen näher rücken.

Die Erde wiederum steht für Vertrauen. Auch beim Schreiben heißt es vertrauen, wenn die Endfassung an den Verlag abgeschickt ist. Vertrauen darauf, dass man sein Bestes getan hat und dass der Verlag aus dem Manuskript ein wunderbares Buch machen wird. Grübeln und Sorgen (zu viel Yang in der Erde) bringt nichts, auch wenn wohl kein Autor dagegen gefeit ist und auch nicht gegen die daraus resultierenden Selbstzweifel.

Das Element Metall steht für Kommunikation. Beim Schreiben ist das der Moment der Veröffentlichung und die Monate danach. Schließlich muss für das geistige Baby Werbung gemacht werden, ob das nun via Socialmedia ist, durch Lesungen, Blogtouren oder Leserunden. Metall sucht den Austausch und steht für den bewussten Einsatz von Atem, Stimme und Sprache. Was würde perfekter auf eine Lesung passen?

Im Wasser heißt es ‚stirb und werde‘ durch die Auflösung der Ängste. Auch beim Roman weiß man inzwischen, wie er von der Leserschaft angenommen wird. Die meist recht unterschiedlichen Reaktionen sind häufig eine Herausforderung. Hier heißt es keine übersteigerte Empfindsamkeit an den Tag zu legen, sondern die Bereitschaft und den Willen zur Wandlung zu leben. Was man als schmerzliche Kritik empfunden hat, kann vielleicht helfen, den nächsten Roman besser zu machen.

Womit wir wieder beim Holz wären und der Zyklus von neuem beginnt, mit der Geburt, mit dem Frühling, der Morgendämmerung oder eben den ersten Worten eines Romans.

 

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