Kamikatze

Ende Juli haben meine Katze und ich unser zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass wir einen so langen Weg gemeinsam gehen würden, denn meine Katze ist eine reinrassige Kamikatze. Das heißt sie ist ein Adrenalinjunkie und es geht ihr nicht gut, wenn sie nicht mindestens einmal täglich ihr Leben riskiert.

Mal läuft sie unter einem galoppierenden Pferd durch, dann wieder springt sie vom fahrenden Traktor oder legt sich mit einem Hund an. Ihr Selbstbewusstsein steht in keiner Relation zu ihrer Körpergröße. Sie hat absolut keine Hemmungen, sich vor 600 Kilo Pferd mitten auf den Hufschlag zu setzen und erbost zu fauchen, vollkommen davon überzeugt, dass es ihr gutes Recht ist, allen Platz für sich zu beanspruchen.

Mir ist mehr als einmal das Herz stehen geblieben, wenn ich meine Katze vor meinem geistigen Auge bereits tot gesehen hatte. Zwei Wochen lang hatte sie einen Knickschwanz, weil er unter einen Pferdehuf geraten war. Aber meine Katze hat wohl für jede Farbe neun Leben. Selbst der Schwanz hat sich wieder erholt, ist weder abgefallen, noch geknickt geblieben. Ein gerissenes Kreuzband führt dazu, dass sie nicht mehr so gut springen kann und gelegentlich leicht hinkt. Das hindert sie jedoch nicht daran, ganze Mäusefamilien auszulöschen.

Mehr als einmal habe ich daran gedacht, sie zu einer Wohnungskatze zu machen, aber ich fürchte, dann würde sie selbstmörderische Tendenzen entwickeln oder aus lauter Frustration meine Wohnung zerstören. Denn sie liebt es, sich genau dort aufzuhalten, wo am meisten los ist. Lärm zieht sie an, statt sie abzuschrecken. Trotz ihres lädierten Knies turnt sie nur zu gerne auf den Stroh- und Heuballen herum und balancierte die Bande in der Reithalle entlang.

Aber zum Glück ist sie mit den Jahren ruhiger geworden. Besonders bei Schlechtwetter oder an kalten Wintertagen begnügt sie sich nun damit, sich im Büro ein Plätzchen zu suchen und es sich gemütlich zu machen. Mal sorgt sie dafür, dass kein Lieferschein verloren geht, indem sie sich auf den Stapel legt, dann wieder bewacht sie den Karton mit den Prospekten, sodass außer mir niemand mehr einen herausnehmen kann. Wenn es so richtig kalt ist, macht sie es sich auf dem Heizkörper gemütlich und beobachtet durch das Fenster das Wetter, damit sie wieder auf Pirsch gehen kann, sobald die Sonne heraus kommt. Und das wird sie hoffentlich noch lange tun.

 

 

 

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