Wo nimmst du nur deine Ideen her?

Das ist die häufigste Frage, die mir gestellt wird, sobald jemand erfährt, dass ich schreibe. Manchmal wird sie auch mit fassungslosem Erstaunen ausgesprochen nachdem eines meiner Bücher gelesen wurde. Sie ist für mich ebenso schwer zu beantworten, wie für die meisten meiner AutorenkollegInnen. Die häufige Nachfrage hat jedoch dazu geführt, dass ich begonnen habe, mir Gedanken darüber zu machen, wie das entstanden sein könnte, was da so aus meinem Unterbewusstsein hochschwappt.

Laut Eisbergmodell nimmt unser Tagesbewusstsein nur zehn bis zwanzig Prozent ein, der unterbewusste Anteil ist somit deutlich höher und in der Tiefsee meiner Gedanken scheinen eine ganze Menge Monster zu lauern, die nur darauf warten, in Worte gefasst zu werden.

Da ich sehr viel mit Tieren und Menschen und den Beziehungen zwischen ihnen zu tun habe, kann es durchaus sein, dass ich aus diesem Grund so gern Vampirgeschichten schreibe. Mit welchem Mythengeschöpf ließe sich sonst die gegenseitige Abhängigkeit, wie sie zwischen Haustieren und Menschen besteht, besser darstellen? Ein Werwolf kommt ohne Menschen wunderbar klar. Ein Vampir hätte definitiv Probleme.

Faszinieren mich deshalb jene Vampire, die ihren Grundcharakter nach der Verwandlung behalten und genauso unterschiedlich mit Menschen umgehen, wie Menschen mit Tieren? Für geistlose Monster, die nach Blut, Gehirn oder was auch immer lechzen und sonst kaum noch Bedürfnisse kennen, konnte ich mich noch nie begeistern. Dämonen, die sich von menschlichen Emotionen nähren, wären ebenfalls eine Option, aber ein Dämon war immer ein Dämon und gehört somit einer anderen Spezies an, während ein Vampir zuvor ein Mensch gewesen ist. Warum sollte er also nach seiner Wandlung nicht weiterhin gewisse menschliche Eigenschaften aufweisen? Allerdings muss ich zugeben, dass auch von Dämonen eine gewisse Faszination ausgeht und der eine oder andere hat auch schon den Weg in meine Geschichten gefunden.

Warum jedoch ausgerechnet Mythengeschöpfe? Ich habe keine Ahnung. Vermutlich bin ich mit dieser Vorliebe auf die Welt gekommen, genauso wie mit meiner Begeisterung für Pferde. Meinen Großvater habe ich schon als Kleinkind stets zielstrebig zur Reithalle dirigiert, wenn er mich mit dem Kinderwagen ausfuhr, und er musste mir auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit Märchen, Sagen und Gruselgeschichten vorlesen. Auf meine Eltern war ich bitterböse, weil sie mir nicht erlaubt haben, mit vier Jahren ‚Dracula‘ im Fernsehen anzugucken und ich weiß auch nicht, wie viele Zehnjährige bereit wären, sich von ihren Eltern zu trennen und sich alleine einer Führung anzuschließen, um die Gebeine in den Katakomben des Stephansdoms zu bewundern.

Man müsste also sehr, sehr weit zurück gehen, um eine Erklärung zu finden. Vielleicht sogar über meine Geburt hinaus. Vielleicht habe ich von meinem Vater etwas übernommen, der trotz seiner Liebe zur heimischen Bergwelt auch immer wieder mal ausgesprochen bizarre Bilder malt. Eine genetische Prädisposition also? Vielleicht haben aber auch Feen an meinem Gitterbett gestanden und das eine oder andere ausgeplaudert, das mich heute noch beeinflusst. Ich habe keine Ahnung. Doch muss ich gestehen, dass mir das egal ist. Es ist einfach so und es macht unglaublichen Spaß!

Advertisements

2 Kommentare

  1. Die Idee mit den Feen am Gitterbett gefällt mir gut 😀
    Ich denke auch, dass es sehr schwer ist zu erklären, wo man Ideen hernimmt. Meine Geschichte, die ich aufschreiben will, begleitet mich schon, seit ich denken kann. Klingt so pathetisch, ist aber so. Ich hatte schon immer eine Neigung zu Tagträumerei und weiß noch, wie ich schon damals meine Kindergartenfreunde in meine Geschichtenwelt einband.
    Weiterhin kreatives Schaffen!
    Liebe Grüße, Alex

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: