Der Sonne entgegen

Wer mich kennt, weiß wie schnell bei mir Kältereiz zu verkrampfter Muskulatur führen kann. Das bedeutet Rückenschmerzen, die sich im Laufe der Jahre immer resistenter gegen die Mittelchen der Schulmedizin zeigen und die bereits einmal zu einem Bandscheibenvorfall geführt haben. Was mir hilft sind Qigong, Yoga, Dehnungsübungen, Faszienrollen – und warmes, trockenes Klima.

Ich habe also angefangen, zumindest einmal im Jahr in den Süden zu flüchten, war schon in Portugal, Brasilien, Indien und Spanien. Letzterem Land bin ich treu geblieben. Als Pferdesüchtige zieht es mich natürlich am meisten nach Andalusien. Nach einer Reiterrundreise bin ich nun zum zweiten Mal auf der Hacienda Buena Suerte zu Gast und lasse mich weiter in die Spanische Reitweise einweisen, nachdem ich auch mal in die Westernreiterei hineingeschnuppert habe.

Daneben bleibt genug Zeit zum Schreiben, Entspannen am Pool, Ausflüge machen und nette Leute kennenlernen. Meinem Rücken geht es von Mal zu Mal besser und ich muss gestehen, jetzt, einen Tag vor der Heimreise, würde ich meinen Aufenthalt am liebsten verlängern. Doch der Brotjob ruft und um meine Pferde sollte ich mich auch wieder selbst kümmern.

Meine Pferde zusammenpacken und nach Spanien mitnehmen? Nein, das möchte ich ihnen nicht zumuten. Bei meiner alten Dame schließen schon ihre neunundzwanzig Jahre eine Umsiedelung aus, aber auch meiner Warmblutstute mit ihren siebzehn Jahren würde ich die spanischen Verhältnisse nicht antun wollen. Abgesehen von der Hitze (mit der sie noch am ehesten klar kommen würde), müsste sie auch auf Gras verzichten (die Pferde in Spanien ernähren sich von Haferstroh und Luzerne) und würde von einer Unmenge von Insekten heimgesucht

 Besonders Hirschlausfliegen treten hier in einer Menge auf, die jedem mitteleuropäischen Pferd Alpträume verursachen würde. Sorgt in Österreich schon das Auftauchen eines einzigen dieser hartnäckigen Tierchen, die sich gern zwischen zarten Hautfalten an delikaten Stellen festkrallen, für Unruhe, nehmen die spanischen Pferde diese Heimsuchung mit stoischer Gelassenheit hin. Meinem Lehrpferd Rocky habe ich vor der ersten Unterrichtsstunde neun von diesen Viechern aus dem Hinterteil gepflückt und mit den Fingernägeln zerquetscht (anders sind diese Tiere nicht kaputt zu kriegen).

Und selbst wenn meine Pferde nicht wären, so bin ich immer noch zu stark in Österreich verwurzelt, um tatsächlich auszuwandern. Eine alljährliche Auszeit jedoch erscheint mir ausgesprochen attraktiv. Vielleicht ließe sich sogar ein zweiter Termin finden. Auch einer Workation im Süden wäre ich nicht abgeneigt. Wer weiß, vielleicht hat mal jemand Interesse an meinen Kenntnissen bezüglich Sitzschulung oder Qigong oder möchte eine Schreibwerkstatt veranstalten?

Mal sehen, was sich in Zukunft noch ergibt. Alles ist möglich. Vielleicht verbringe ich mit jedem Jahr mehr Wochen in südlichen Gefilden. Und wer weiß, möglicherweise ziehe ich mit zunehmendem Alter Stück für Stück meine Würzelchen aus dem Heimatboden. Ich will es nicht ausschließen, denn wenn ich an die Zukunft denke, höre ich eine Melodie im Hinterkopf. Ein leises, aber beharrliches Summen. Wenn ich ihm lange genug lausche, taucht auch der dazugehörige Liedtext auf … „und irgendwann bleib i dann dort …“

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