Casper Teil 2

Wie ich zu Casper gekommen bin, habe ich im vorhergehenden Blogbeitrag schon geschildert. Nun will ich berichten, wie es mir mit meinen Bemühungen erging., 

Anfangs ignorierte er jede leichte Einwirkung, ignorierte zum Teil auch mich. Es bedurfte manchmal recht deutlichen Körpereinsatzes, um ihn zum Zuhören zu bringen. Caspar hatte die Schnauze voll von Menschen. Er verstand sie nicht, sie interessierten ihn nicht und er wollte nicht mit einem zusammenarbeiten.

Es dauerte Wochen, bis ich das Gefühl hatte, dass er mich wirklich ansah und dass er schließlich sogar begann Engagement zu zeigen und von sich aus mitzuarbeiten.  Die Seitengänge machten ihn geschmeidiger, die Arbeit mit den Bodenstangen verschaffte ihm mehr Gefühl für seine Beine, die Arbeit an der Longe verbesserte seine Kondition. Ich nützte die Nebensaison, um ihn für eine Weile aus dem Schulbetrieb herauszunehmen und konnte es mir daher leisten, ihm Kraftfutter zu geben. Ich begann auch ihm im Schritt zu reiten und merkte zu meiner Erleichterung, dass er recht schnell umsetzen konnte, was ich am Boden mit ihm geübt hatte. Er ist recht schmal gebaut und daher fiel es ihm nicht gerade leicht, sich unter dem Reiter auszubalancieren, aber auch hier halfen ihm die Seitengänge.

Zusätzliche Schwierigkeiten stellten seine extreme Schiefe und seine Tendenz zum Kleben und Klemmen dar. Für die Nichtreiter unter euch hier eine kleine Erklärung: Jedes Pferd hat eine bevorzugte Seite, genauso wie wir Menschen. Durch schlechtes Reiten, wird dieser Unterschied immer größer, bis deutlich zu sehen ist, dass die Vorder- und die Hinterbeine auf unterschiedlichen Spuren laufen. Ein Pferd das klebt will ständig anderen Pferden hinterher laufen und kann ziemlich bockig werden, wenn es von ihnen weg soll. Ein Pferd wiederum das klemmt, geht aufgrund einer zu hohen Grundspannung zu wenig vorwärts und Einwirkungen des Reiters machen es häufig langsamer als schneller.

Umso mehr freute es mich, dass Casper trotz seiner Probleme zunehmend besser zu reiten war. Ich begann ihn allmählich auch zu traben, nützte die anderen Pferde, um ihn mehr ins Vorwärts zu bekommen. Immer öfter wurde ich von Privatreitern angeredet, wie gut er sich entwickle. Unsere ersten Galoppversuche waren noch sehr verhalten, aber ich ließ mir Zeit. Wäre die Saison nicht mit Riesenschritten näher gerückt hätte ich mir noch mehr Zeit gelassen.

Nun blieb mir nichts anderes übrig, als ihn auch einzusetzen. Er machte sich für seine Verhältnisse ganz gut, auch wenn er immer noch keine Begeisterung bei den Reitschülern auslöste. Mich selbst quälte natürlich die Sorge, wieviel während des Sommers von meiner Arbeit wohl wieder verloren gehen würde. Ich versuchte ihn mit Bodenarbeit halbwegs bei Laune zu halten, aber viel Zeit blieb mir nicht für ihn. Im September machte er seinen Job nur noch unwillig. Beim Galoppieren schlug er häufig aus. Besonders schlimm war es nach meinem Urlaub in Spanien. Motiviert nach meiner schönen Zeit bei den Dyslies, begann ich wieder mit ihm zu arbeiten, obwohl ich immer noch durch Schülergruppen und Touristen ziemlich gefordert war.

Es gelang  mir, erstaunlich schnell zu ihm durchzudringen. Innerhalb kürzester Zeit war der Status vom Frühling wiederhergestellt und als er dann begann sich immer besser zu entwickeln, beschloss ich, mit ihm weiterzuarbeiten. Er ist kein Anfängerpferd. Ich weiß nicht, ob er jemals eines werden wird. Aber er macht mir immer mehr Spaß und ich habe beschlossen, mit ihm zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Lange schon wünsche ich mir ein Schulpferd, das weiter ausgebildet ist. Unsere Pferde werden nur den Anforderungen bis zur Reiternadel gerecht. Oft kommen aber auch bessere Reiter zu uns und ich kann ihnen kein wirklich interessantes Pferd anbieten. So wie Casper nun dazu lernt, könnte er irgendwann dieses Pferd werden. Seine Bewegungen sind viel weicher geworden. Er ist zwar immer noch alles andere als leichtrittig, zeigt aber bereits erste Ansätze sich zu versammeln und bekommt auch immer mehr Spaß am Springen.

Also werde ich weiter mit ihm spielen, in Hoffnung, ihn auch in Zukunft weiter bei Laune zu halten und ihn einem guten Lehrpferd für bessere Reiter zu machen.

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