Casper Teil 3

Wer jemals ein Pferd korrigiert hat, weiß, dass damit häufig mehr Aufwand sowohl an Energie als auch an Zeit verbunden ist, als ein Pferd von Grund auf korrekt auszubilden. Ich muss mir das immer wieder vor Augen halten, wenn Casper wieder mal in alte Verhaltensweisen zurückfällt und ich von vorne anfangen muss.

Er lässt sich sehr leicht von anderen Pferden beeinflussen. Das stellt immer wieder eine Herausforderung an meine Zeiteinteilung dar, denn ich versuche möglichst neben ruhigen, gelassenen Pferden zu reiten. Dann lässt sich auch Casper nicht so schnell durch Außenreize aus der Ruhe bringen, auch wenn er sich immer noch vor Traktoren, LKWs und anderen großen Maschinen fürchtet.

Befindet sich jedoch ein unruhiges Pferd mit uns in der Bahn, ist es vorbei mit seiner Konzentration. Teilweise ist er dann nicht mehr kontrollierbar, rennt einfach los und wird wieder zu dem steifen Brett, dass er anfangs war. Das hat auch schon dazu geführt, dass ich abgestiegen bin und ihn vom Boden aus weitergearbeitet habe. Durch die viele vorbereitende Bodenarbeit kann ich ihn zu Fuß besser kontrollieren und bekomme ihn schneller wieder locker. Das schont auch meinen Rücken, denn Casper macht in punkto Hakenschlagen jedem Kaninchen Konkurrenz. So ein kräftiger Ruck zur Seite führt dann schon gelegentlich dazu, dass sich mein Iliosakralgelenk schmerzhaft meldet.

Das ist neben dem derzeit rutschigen Boden mit ein Grund, warum ich mit Casper häufig spazieren gehe. Schließlich will ich ihn mit möglichst vielen Außenreizen konfrontieren, ohne mich, ihn oder irgendwelche Passanten zu gefährden.

Auch wenn er allmählich lernt, sich trotz seines schmalen Körperbaus immer besser auszubalancieren, macht auch ihm die Bodenarbeit mehr Spaß als das Reiten. Um ehrlich zu sein, denke ich, er wollte eigentlich Zirkuspferd werden. Bei der Freiarbeit ist er begeistert dabei und würde auch Tricks ausgesprochen schnell lernen. Ich wage jedoch nicht, ihm allzu viel beizubringen, da er gewisse Kenntnisse im Unterricht gegen die Schüler verwenden könnte. Ich traue ihm durchaus zu, dass er sich mitten unter der Reitstunde einfach hinlegen würde, wenn er keine Lust mehr hat, um dann für das schöne Ablegen auch noch ein Leckerlie zu erwarten.

Tja, er hat wohl den falschen Job erwischt und ich werde wieder mal aus einer Not eine Tugend machen und mich mit seiner Hilfe noch tiefer in die Möglichkeiten und Chancen der Bodenarbeit und des Gymnastizierens vom Boden aus einarbeiten. Sobald der Schnee verschwunden ist und sich nicht mehr alle Reiter in der Halle drängen, werden wieder vermehrt Stangen, Planen, Flatterbänder und ähnliches Spielzeug zum Einsatz kommen. Wie heißt es so schön: Jedes Hindernis birgt die Chance in sich, weiter zu lernen und zu wachsen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: