Meine Katze und Menschen

Anfangs dachte ich, meine Katze würde sich bei anderen Menschen gleich verhalten wie bei mir – nämlich erstaunlich duldsam und freundlich. Ich darf sie im Zustand höchster Erregung aus einer Gruppe Hunde herauspflücken und bekomme dennoch ihre Krallen nicht zu spüren. Stopfe ich sie in den ungeliebten Transportkorb, um sie zum Tierarzt zu bringen, murrt sie vielleicht mal ungehalten, aber niemals kommen ihre Krallen oder Zähne zum Einsatz. Streichle ich sie, verwandelt sie sich innerhalb kürzester Zeit in einen knochenlosen Fellhaufen.

Entsprechend erstaunt war ich, als immer wieder Beschwerden an mich herangetragen wurden, meine Katze würde kratzen oder beißen. Im Laufe der Zeit habe ich dann festgestellt, dass ihr nicht jeder Mensch genehm ist und wer dann die Katzensprache nicht versteht und das Streicheln sein lässt, wenn sie nicht mehr mag, dem zeigt sie eben mit deutlicheren Mitteln, dass sie ihre Ruhe will.

Manche Menschen sind den Signalen einer Katze gegenüber schrecklich blind. Als Extrembeispiel habe ich eine junge Familie erlebt, die wie viele andere auch, zu uns in den Stall kamen ‚Pferde schauen‘. Meine Katze ist neugierig und lässt auch jeden erstmal an sich ran, aber sie ist nicht begeistert, wenn sie von Fremden sofort hochgehoben wird. Schon gar nicht, wenn dies auch noch ungeschickt geschieht. Als sie der jungen Mutter durch Strampeln und Knurren ihren Unwillen kundtat, schien diese das gar nicht zu bemerkten, sondern machte zu meinem Entsetzen Anstalten, die sich wehrende Katze zum Kind in den Kinderwagen zu halten. Ich habe dann alles liegen und stehen lassen und bin losgerannt, um sowohl Katze als auch Kind zu retten.

Zum Glück haben beide die Episode unbeschadet überstanden. Auch sonst hat meine Katze nie größeren Schaden angerichtet, obwohl manche Menschen das Fauchen einer Katze erst recht dazu verleiten scheint, sie anzufassen. Dabei mag meine Katze erstaunlicherweise Trubel. Sie ist die einzige Katze, die ich bei Voltigierturnieren einsperren muss. Wer jemals auf einem Voltigierturnier war, weiß, welche Höhen der Lärmpegel manchmal erreicht. Klatschen ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Unzählige Kinder wuseln durcheinander. Dazwischen zuschauende Erwachsene, Pferde, der eine oder andere Hund. Es riecht nicht nur nach Pferden, sondern auch nach Haarspray und man muss darauf gefasst sein, eine Ladung Glitzer abzubekommen.

Aber das stört meine Katze alles nicht. Selbstbewusst drängt sie sich durch die Zuschauerreihen. Dass sie den Austragungszirkel nicht betreten soll, versteht sie überhaupt nicht, schließlich gehört die Reithalle eigentlich sowieso ihr, und zwei- und vierbeinige Benützer werden nur gutwillig geduldet. Auch sonst sind Menschenansammlungen eine willkommene Gelegenheit, mit hoch erhobenem Schwanz Präsenz zu zeigen. Meine Katze will eindeutig keine Zweifel daran aufkommen lassen, wer denn nun eigentlich Herr dieser Anlage ist.

Besucher, die da Büro betreten, werden sofort in Augenschein genommen. Selbst wenn sie sich im Tiefschlaf befindet, entgehen ihr Eindringlinge nicht. Da heißt es dann, quer über den Schreibtisch spazieren und die Menschen beschnuppern. Wer genehm ist, darf meine Katze dann auch mal streicheln, wer diese Kunst nicht versteht und sich trotzdem darin versucht, der muss damit rechnen, einen ungehaltenen Schlag mit der Tatze abzubekommen. Danach muss sie sich dann auf den Quittungsblock setzen oder sich am Kugelschreiber reiben, schließlich muss man als Katze diesen ignoranten Menschen klar machen, wem sie es zu verdanken haben, dass sie ihre Zahlungsbestätigung bekommen.

Am allerliebsten ist es ihr jedoch, wenn sie mich für sich alleine hat. Da kann es schonmal vorkommen, dass sich eine Pfote auf meinen Arm legt und die Hand noch einmal zurück ins Fell drückt, wenn die Katze der Ansicht ist, dass sie noch nicht genügend Streicheleinheiten bekommen hat. Als gehorsamer Mensch bleibe ich dann meist noch eine Weile sitzen. Tja, da soll nochmal einer behaupten Katzendressur würde nicht funktionieren. Von wegen! Innerhalb kürzester Zeit hat die Katze den Menschen bestens abgerichtet.

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