Meine Katze und der Winter

In jungen Jahren hatte meine Katze Spaß im Schnee und hat sich auch durch eisige Temperaturen nicht davon abhalten lassen, draußen herumzutoben. Mit den Jahren sind die auf der Heizung verbrachten Stunden mehr geworden. Das Wetter wird mittels eines Blicks durch das Fenster überprüft und nur wenn es mild genug erscheint, wagte meine Katze auch einen Schritt vor die Bürotür.

Damit ist sie erstmal in der Sattelkammer. Sind ihr die Temperaturen dort schon nicht genehm, dreht sie gleich wieder um. Manchmal galoppiert sie auch eine Runde in der Sattelkammer, um anschließend wieder ins geheizte Büro zu verlangen. Trifft sich das Personal zu einem stärkenden Kaffee, bleibt sie auch schonmal ein bisschen länger. Schließlich bieten diese Treffen die Möglichkeit, die eine oder andere Streicheleinheit zu ergattern. Mein Chef muss seine Tasse immer sehr schnell in Sicherheit bringen. Meine Katze ist stets bemüht, seinen Kaffee mittels engagiertem Schwanzeinsatz um eine paar Katzenhaare zu bereichern.

Am liebsten wäre meiner Katze jedoch, jemand würde ständig bei ihr im Büro bleiben. Alleine ist es langweilig und wenn diese schrecklichen Menschen, die einfach nicht wissen, wo die wahren Prioritäten des Lebens liegen, Pferde reiten oder Boxen ausmisten, dann muss sich die Katze eben anders beschäftigen.

Sehr beliebt ist die Papierrolle der Rechenmaschine. Kugelschreiber eigenen sich auch wunderbar dazu, im ganzen Büro herumgeschleudert zu werden. Sie hat auch schon das eine oder andere Loch in die Tagesberichte gebissen. Offensichtlich fühlt sie sich dazu berechtigt, nachdem sie das schwere Los auf sich genommen hat, die Ordner zu bewachen. Sie sorgt auch dafür, dass kein einziger Lieferschein verloren geht, indem sie sich auf den Stapel legt.

Sie unterstützt mich auch stets bei der Büroarbeit, indem sie sich auf den Quittungsblock setzt, am besten mit dem Popo direkt auf dem Kugelschreiber, und mit dem Schwanz dort herumwischt, wo ich schreiben muss. Ich wüsste sonst wirklich nicht, wo ich die Zahlen und Buchstaben hinsetzen soll. Normalerweise taucht sie innerhalb von Sekunden auf und platziert sich direkt vor mir auf dem Schreibtisch, um den Reitgästen klar zu machen, wer der wahre Chef im Stall ist.

Als ich eines Tages ohne pelzige Unterstützung die Quittung für die Reitstunden ausstellen musste, war ich total irritiert. Wo ist die Katze? Geht es ihr nicht gut? Oder ist sie doch nach draußen gegangen? Und das bei Minustemperaturen? Also habe ich mal vorsichtig nach der Katze gerufen. Ein Rascheln war die Antwort. Das Altpapier begann sich zu bewegen. In einem beinahe magischen Moment tauchten aus einem Sack mit den gesammelten Überresten aus Papier zwei Katzenohren auf. Wenig später hatte sich die ganze Katze hervor gearbeitet und sah mich mit einem leichten Vorwurf in den Augen an. Ich dummer Mensch hatte wieder einmal nicht begriffen, welch wichtige Aufgaben die Katze zu erledigen hat. Was hätten wir bloß getan, wenn sie das Altpapier nicht kontrolliert hätte?

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